ISN-Schlachthofranking 2016

Chinaboom weckt Hoffnungen

Marktführer bleibt unangefochten Tönnies, auch wenn die Schlachtungen in Deutschland mit 16,2 Millionen Schweinen erstmals in der Firmengeschichte nicht gesteigert werden konnte. Tönnies habe dagegen mit der Übernahme von Tican in Dänemark seinen Internationalisierungskurs fortgesetzt, teilt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) mit. Für 2017 hat Tönnies angekündigt, die ausländischen Aktivitäten, insbesondere in Spanien und Russland, weiter voranzubringen. Im Inland arbeitet Tönnies mit Nachdruck daran, die Lieferkette enger an sich zu binden. Zukünftig sei es wichtig, die Vorstufen bis zur Ferkelerzeugung einzubinden, soe die Strategie in Rheda-Wieenbrück.

Warten auf neue Zulassungen für Chinaexport
„Gerade in Zeiten eines abnehmenden Angebots an Schweinen und Ferkeln stehen die Zeichen für Schlachtunternehmen und Fleischverarbeiter auf Sturm. Im preisaggressiven deutschen Lebensmitteleinzelhandel sind Preissteigerungen immer nur mit einer gewissen Zeitverzögerung durchzusetzen", sieht ISN-Marktexperte Matthias Quaing aktuell keine Entspannung der wirtschaftlich angespannten Situation. „Umso wichtiger ist für die großen Schlachtunternehmen, die Wertschöpfung im Inland zu maximieren und gleichzeitig auf den lukrativen Exportmärkten, allen voran China, präsent zu sein", so Quaing. Für 2017 stehen einige Chinazulassungen an, so dass die berechtigte Hoffnung besteht, dass sich der Kreis der Unternehmen mit gültiger Chinalizenz vergrößert. (SB)

Vion: Konzentration auf rentable Standorte

Bei der Nummer zwei im Markt läuft das Restrukturierungsprogramm weiter auf Hochtouren. Bereits seit Jahren werden unrentable Standorte, wie zuletzt in Zeven, geschlossen und interne Prozesse optimiert. Investiert wird in die rentablen Standorte, die über eine Chinazulassung verfügen. Auch deshalb konnte die Anzahl der Schlachtungen im abgelaufenen Jahr auf 8,87 Millionen Schweine wieder leicht gesteigert werden. Dass das nötige Geld für weitere Investitionen von Investoren außerhalb des Unternehmens kommen soll, davon machen die Verantwortlichen bei Vion kein Geheimnis.

Westfleisch: Zukunft von Paderborn offen

Der Schlachthofbrand in Paderborn war ein Schock für die genossenschaftliche Westfleisch, hat jedoch auch neue Chancen eröffnet. Insbesondere der Kauf des Schlachthofs in Gelsenkirchen wäre sonst wohl nicht in Erwägung gezogen worden. Ob es in Paderborn jemals weitergeht, lässt die Westfleisch bis heute offen. Das konzernweite Programm zur Kostensenkung, das aufgrund der Verluste in 2015 aufgelegt wurde, scheint bereits Früchte zu tragen. In 2016 konnte Westfleisch die Verlustzone wieder verlassen. Neben der Kostensenkung profitierte man vom Boom der Nachfrage nach deutschem Schweinefleisch in China. Insgesamt wurden die Schlachtungen auf 8 Millionen Schweine gesteigert.

-- , Quelle: ISN

Vogler-Insolvens sorgt für Bewegung

Danish Crown (3 Millionen Schweine) belegt mit dem Standort in Essen/Oldenburg weiterhin den vierten Rang und konnte die in den Vorjahren verlorenen Marktanteile zurückgewinnen. Mit einer Steigerung der Schlachtungen um beachtliche 12 Prozent auf 2,1 Millionen Schweine konnte auch die süddeutsche Müller Gruppe gegen den Trend wachsen. Im kommenden Jahr nicht mehr im Ranking vertreten sein dürften die Unternehmen der Vogler-Gruppe. Sowohl Vogler Fleisch als auch das Schwesterunternehmen MV-Fleisch mussten im vergangenen Herbst erst in die Planinsolvenz und später in die reguläre Insolvenz gehen. Während sich für den Standort Laatzen mit der Leine Fleisch GmbH eine Nachfolgeregelung gefunden hat, dürften die Aussichten für Bremen schlecht stehen. Für den Standort Steine besteht weiter Hoffnung, doch noch einen Käufer zu finden, ist aus Unternehmenskreisen zu hören.

Mittelstand kann sich behaupten

Positiv entwickelte sich die Erzeugergemeinschaft Böseler Goldschmaus aus Garrel und steigerte die Anzahl der geschlachteten Tiere auf 1,77 Millionen Tiere. Moderat wachsen konnten auch die Familienunternehmen Tummel aus dem westfälischen Schöppingen (1,55 Millionen) sowie Simon-Fleisch aus Wittlich in Rheinland-Pfalz (1,04 Millionen). Neu in den TOP 10 taucht das Düringer Fleischkontor auf. Hier stiegen die Schlachtungen nach turbulenten Jahren wieder um über 15 Prozent auf 960.000 Tiere. Zurückzuführen ist dies insbesondere auf den Einstieg der Firma Willms Fleischwaren GmbH, die zum Ende des Jahres 2015 die Mehrheitsanteile übernommen hatten. Da es sich bei BMR in Garrel um einen reinen Lohnschlachtbetrieb (1,40 Millionen Schlachtungen) handelt, an dem mehrere Unternehmen schlachten lassen, wurde auf eine Aufnahme in das Ranking in diesem Jahr verzichtet, so die ISN (SB)
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