Report Landtechnik

Chiptuning hat keine Chance


Vor jedem Schleppertest werden bei den „Probanden“ in Groß-Umstadt die Abgaswerte ermittelt.
-- , Foto: DLG
Vor jedem Schleppertest werden bei den „Probanden“ in Groß-Umstadt die Abgaswerte ermittelt.

In Zeiten hoher Dieselpreise spielt der Kraftstoffverbrauch auch bei Landtechnik eine immer wichtigere Rolle. „Zusätzlich sind die Durchschnittsverbräuche in den vergangenen Jahren aufgrund der härteren Abgasnormen kontinuierlich angestiegen, da zur Schadstoffreduktion die Motoren nicht mehr mit dem höchsten Wirkungsgrad betrieben werden können“, beobachtet Andreas Ai. Er ist im Testzentrum der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Groß-Umstadt zuständig für Technik und Traktoren.

Wunschwerte in der Werbung

„In der Werbung stellen Hersteller jedoch gerne den günstigen Kraftstoffverbrauch der neuen Modelle in den Vordergrund“, sagt Ai. So werde versucht, Preissteigerungen bei den Modellen durch installierte Abgasreinigungstechnik oder Elektronik zu rechtfertigen. Laut Ai ist es heutzutage bei modernen Schleppern kein Problem mehr, durch Änderungen der Software die Leistung eines Motors zu erhöhen oder auch den Kraftstoffverbrauch zu senken.

Deshalb fragen Praktiker beim Testzentrum immer wieder nach, ob die geprüften Maschinen tatsächlich der Serie entsprechen. Schließlich sind die DLG-Prüfungen freiwillig und die Testmaschinen werden vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Dem begegnet das DLG-Testzentrum mit einer Abgasmessung als Eingangsprüfung. Diese würde entsprechende Einstellungsänderungen offenlegen.

Ai erläutert, dass in Groß-Umstadt der spezifische Kraftstoffverbrauch von Traktoren unter simulierten Praxisbedingungen des „DLG-Powermix“ zur Anwendung kommt. Es ist seit 2005 etabliert, international anerkannt und neutral: Ai bezeichnet das Verfahren als den „Gold-Standard“ internationaler Traktorentests.

Den Effizienzmessungen in der Powermix-Prüfung lagen bisher zwölf Belastungszyklen eines Traktors zugrunde. Diese basierten auf typischen Feldarbeiten mit Pflug, Grubber und Kreiselegge, Grünlandarbeiten mit Mähwerk, Zetter oder Schwader sowie auf Belastungsszenarien wie Miststreuen und Ballenpressen.

In den vergangenen Jahren haben sich jedoch die Struktur und die Maschinenausstattung der Betriebe grundlegend gewandelt. Mit dem Trend zu weniger und damit immer größeren Betrieben stieg die Entfernung von der Hofstelle zum Acker. Gleichzeitig wurden die Traktoren leistungsfähiger und mit inzwischen häufig 60 km/h bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit immer schneller.


USA waren Vorreiter
Traktorenprüfungen haben eine sehr lange Tradition. Ihre Ursprünge finden sich im Nebraska Tractor Test Act von 1919, einem Gesetz im gleichnamigen US-Bundesstaat. Es basierte auf den schlechten Erfahrungen eines Farmers mit seinen ersten Traktoren: Sein 1916 gekaufter Ford Model B wurde als 8- bis 16-PS-Schlepper beworben, der einen Zweischarpflug ziehen sollte. Doch die Maschine konnte diese Erwartungen nicht erfüllen. (Sz)

Rollenprüfstand im Bau

Das DLG-Testzentrum hat auf diese veränderten Rahmenbedingungen reagiert und die Belastungszyklen „Schwere Transportfahrten“ und „Leichte Transportfahrten“ für den Test entwickelt. „Inzwischen konnten wir die ersten offiziellen Messungen durchführen“, freut sich Ai. Mit dem Neubau des laut Ai „stärksten Rollenprüfstandes der Welt“, der in Groß-Umstadt zurzeit in Betrieb genommen wird, rüstet sich die DLG in Bezug auf ihre „Schlepperchecks“ für die Zukunft. Mit der Fertigstellung im Laufe dieses Jahres sollen auf dem Prüfstand der spezifische Kraftstoff- und AdBlue-Verbrauch von Traktoren mit bis zu rund 1000 PS geprüft werden können. (Sz)
stats