Die Zeit berichtete 2014 in einer großen Serie über multiresistente Keime, dabei ging es um den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung und die daraus resultierenden Konsequenzen. „Die Rache aus dem Stall“ sorgte in der Agrarbranche für Aufruhr. Viele kritisierten aufs Schärfste eine einseitige Berichterstattung und mangelnde Sorgfalt bei der Recherche.

Der Bauernverband legte Beschwerde beim Presserat gegen den ersten Artikel aus der Serie ein. Der Beschwerdeausschuss des Rates hat nun alle Kritikpunkte des DBV abgearbeitet – und lediglich in einem Punkt festgestellt, dass die Journalisten der Wochenzeitung die Sorgfaltspflicht verletzt haben. „Der Verstoß ist nicht gravierend, deshalb hat der Rat lediglich ein Hinweis ausgesprochen, keine Rüge“, sagte die Pressereferentin des Presserats, Edda Eick, zu agrarzeitung.de. Es sei in dem Artikel „Die Rache aus dem Stall – Das bringt uns noch um“ ein falscher Eindruck erweckt worden.

Konkret geht es um eine Fallschilderung im ersten Artikel der Serie. Es sei der Eindruck erweckt worden, eine nierenkranke Frau habe nacheinander 20 Antibiotika eingenommen, und sei dann gestorben, weil keines der Medikamente gewirkt habe. Ihr Hausarzt selbst hatte sich mit dem Fall an Die Zeit gewandt, und nach der Veröffentlichung nochmals in einem Brief an die Redaktion darauf hingewiesen, dass es nur um 19 Antibiotika ging. Zudem sei die Wirksamkeit anhand von Blut- und Urinproben der Frau getestet worden – sie habe also nicht selbst alle Antibiotika eingenommen. Die Zeitung hatte lediglich den Brief des Arztes veröffentlicht. Diesen Punkt moniert der Presserat. „Das reicht nicht aus als Richtigstellung, die Zeit hätte mit dem Fehler anders umgehen müssen“, erläuterte Eick die Entscheidung des Presserats. „Es war eine handwerkliche Ungenauigkeit.“

DBV: „Schwerwiegendes Urteil“

Ganz anders liest sich die Pressemitteilung des DBV. „Zeit-Artikel verstieß gegen journalistische Sorgfalt“, titelt die Pressestelle in einer längeren Mitteilung. „Der Deutsche Presserat hat die Beschwerde des Deutschen Bauernverbands gegen den Zeit-Artikel „Die Rache aus dem Stall“ als begründet erklärt“, führt der DBV fort. Man sehe sich bestätigt, dass die Empörung der Tierhalter und die massive Kritik der Branche berechtigt gewesen sei, „wonach nicht sorgfältig recherchiert wurde“. Die Zeit werbe mit Qualitätsjournalismus, da sei „dies“ ein „schwerwiegendes Urteil“. Immerhin weist der Verband darauf hin, dass es auch noch stärkere Sanktionen – die Rüge – gibt.

Dass der Presserat alle weiteren Kritikpunkte abgelehnt hatte, kritisiert der DBV und verweist auf die von ihm eingereichten Studien und Untersuchungen zum Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Welche Studienergebnisse verlässlicher seien, müsse von Experten diskutiert werden und sei mit den Mitteln des Beschwerderats nicht zu klären, begründet indes der Presserat die Ablehnung. „Der Presserat macht es sich damit zu leicht“, schreibt der DBV.

Die Zeit selbst kommentierte die Entscheidung des Presserats nicht: „Wir verzichten auf einen Kommentar“, sagte eine Pressesprecherin der Wochenzeitung zu agrarzeitung.de. (mas)
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