Außerordentliche Vertreterversammlung

DMK diskutiert über Milchkrise


Volle Tanks sorgen für niedrige Preise.
-- , Foto: DMK
Volle Tanks sorgen für niedrige Preise.

Am Dienstag kommender Woche treffen sich die Genossen der Deutsches Milchkontor eG in Osterholz-Scharbmeck bei Bremen zu einer Außerordentlichen Vertreterversammlung. In einer bisher einmaligen Aktion haben die Genossen das Treffen durch einen gemeinsamen Antrag erzwungen. In der Genossenschaft brodelt es seit Wochen. Viele Mitglieder sind mit dem Auszahlungspreis unzufrieden. Lieferungen von insgesamt 500 Mio. kg Milch sind bereits gekündigt worden, das entspricht etwa 7 Prozent der jährlichen Verarbeitungsmenge. Vor allem Milcherzeuger aus dem Süden des DMK-Gebietes wollen der Genossenschaft den Rücken kehren. Doch auch im Norden ist die Stimmung schlecht, hier fehlt es den meisten Erzeugern aber an Vermarktungsalternativen.

Emmi führt Bonusprogramm ein

Der Schweizer Milchverarbeiter Emmi hat auf das große Milchangebot reagiert und will seinen Direktlieferanten ab März einen Bonus von 10 Rappen pro Kilo Milch bezahlen, den sie weniger liefern als im Vorjahresmonat. Die Schweizer Molkerei ist damit nach FrieslandCampina der zweite große Molkereikonzern, der die Reißleine zieht und Maßnahmen gegen eine immer weiter steigende Milchproduktion ergreift. Emmi begründet die Maßnahme mit der schwierigen Marktsituation in der Schweiz und reagiert auch auf eine Forderung der Erzeuger. Im Januar hatten die Schweizer Milchproduzenten (SMP) dazu aufgefordert, die Produktion um 3 Prozent zu drosseln. Seit vergangenem Dezember ist die Milchproduktion laut Emmi trotz der niedrigen Preise auf Rekordniveau gestiegen. Gleichzeitig ist aber der Absatzmarkt in der Schweiz rückläufig. Ein Grund dafür ist die Aufwertung des Schweizer Franken, und der damit verbundene Einkaufstourismus in Nachbarstaaten.

Preismodell abgelehnt

Beobachter rechnen damit, dass der Schritt von Emmi Druck auf das DMK-Management ausüben wird, ähnliche Entscheidungen zu treffen. Doch bisher scheint es in den DMK-Gremien keine Mehrheit für mengenbegrenzende Maßnahmen zu geben. Intensiv diskutiert wurde im Vorstand der eG ein A/B-Preismodell, bei dem 80 Prozent mit Milch mit einem höheren und 20 Prozent mit einem niedrigeren Preis vergütet würden. Der Geschäftsführung ist es schließlich gelungen, die Mehrheit des Vorstandes davon zu überzeugen, beim bisherigen Bezahlsystem zu bleiben. Die Berechnungen hätten ergeben, dass ein A/B-Modell sogar zu rückläufigen Milchpreisen führen könnte, erfuhr agrarzeitung.de aus gut informierten Kreisen. Außerdem habe es rechtliche Bedenken gegeben.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat das DMK heute aufgefordert, „seine Verantwortung für das wirtschaftliche Überleben Tausender Milchviehbetriebe wahrzunehmen". Die Genossenschaft müsse jetzt Maßnahmen ergreifen, um den preisdrückenden Anstieg der Milchmengen zu beenden, so ein AbL-Sprecher. (SB)
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