Milchpreisdiskussion

DMK vollzieht 180-Grad-Wende

Ein einziger Satz von Ingo Müller in der Sonntagsausgabe des Berliner Tagesspiegels sorgt bei den Milchlieferanten des Deutschen Milchkontors (DMK) für Unmut: „Ich glaube zur Zeit nicht, dass die Preise weiter steigen,“ antwortete der der CEO des DMK auf die Frage nach den weiteren Aussichten für den Milchpreis. Am Montag folgte die 180-Grad-Wende. In einer am Abend veröffentlichen Erklärung teilt der Konzern mit, dass die bei den jüngsten Verhandlungen mit dem deutschen Einzelhandel, unter anderem im Produktbereich „Weiße Linie“ - wie Milch, Quark, Sahne und Joghurt - sowie bei Butter und Käse, Preiserhöhungen durchgesetzt werden konnten. „Wir sind zuversichtlich, dass die neu ausgehandelten Verträge uns weitere Handlungsspielräume für höhere Milchpreise ermöglichen werden“, heißt es nun.

Die Konzernspitze will damit offenbar die Gemüter beruhigen. Denn bei den Mitgliedern der Genossenschaft war Müllers Aussage im Tagesspiegel nicht gut angekommen. Deutschlands größte Molkerei hinkt beim Milchpreis seit Jahren hinter den Wettbewerbern hinterher. Viele Milchbauern hatten der Genossenschaft in den vergangenen beiden Jahren den Rücken gekehrt. Die Erwartungen der verbliebenden Mitglieder an die Geschäftsführung ist eindeutig. Das DMK muss beim Milchpreis wettbewerbsfähig werden.

Mit seiner Einschätzung, dass sich der Milchmarkt derzeit seitwärts bewegt, steht DMK-Chef Müller allerdings nicht allein. Auch die meisten anderen großen europäischen Molkereien planen kurzfristig keine Preiserhöhungen. Einige, wie zum Beispiel die schwedisch-dänische Arla, mussten im Mai die Auszahlungspreise sogar senken. (SB)
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