Palmöl

DVT: Zertifizierungen kein Allheilmittel

Die vom Forum Nachhaltiges Palmöl und Bundesminister Christian Schmidt geforderte Zertifizierung von Palmöl als Bedingung für einen Import sieht der Deutsche Verband Tiernahrung  (DVT) kritisch. „Wir sehen mit Sorge die Waldbrände und die unsachgemäße Bewirtschaftung von Flächen“, konstatiert Hermann-Josef Baaken, Sprecher der Geschäftsführung des DVT. „Ich sehe allerdings in der Zertifizierung kein Allheilmittel zur Sicherung einer Nachhaltigkeit der Palmölproduktion.“ Stattdessen seien die Regierungen in den Produktionsländern gefordert, die gute fachliche Praxis und die Prinzipien der Nachhaltigkeit zu etablieren. Eine Verpflichtung zur Zertifizierung über alle Lieferketten könne allenfalls einen ergänzenden Beitrag zur Sensibilisierung und Transparenz leisten. Der Weg von Bundesminister Schmidt, das Thema bei der Klimakonferenz in Paris Ende November anzusprechen, kann deshalb ein wichtiger Impuls auf dem Weg zu international anerkannten Standards sein.

Umstellung braucht Zeit

Baaken betont: „Die Futtermittelwirtschaft verwendet nur in geringem Umfang Palmöl. Die Unternehmen setzen sich dennoch mit den Forderungen auseinander und wollen den Prozess bei der möglichen Umsetzung von realistischen Forderungen aus dem Markt begleiten. Eine Umstellung in der gesamten Futtermittelkette würde jedoch eine gewisse Anlaufzeit mit sich bringen.“ Deshalb sind allenfalls Vorgaben von Zielwerten über einen Zeitraum, der gemeinsam mit den Marktbeteiligten definiert werden muss, sinnvoll. Andere Wirtschaftsbereiche seien in größerem Umfang betroffen, sodass die Einflussmöglichkeiten der Futterwirtschaft für eine radikale und umfassende Veränderung gering seien.

Futtermittelbranche arbeitet im Forum mit

Im Forum Nachhaltiges Palmöl erläuterte Baaken anlässlich der Gründung des Vereins am vergangenen Mittwoch in Berlin die Haltung der Futterwirtschaft und sagte zu, in den kommenden Sitzungen die Branche zu vertreten, auch wenn letztlich jedes Unternehmen Verantwortung übernehme und mit seinen Lieferanten und Kunden an Lösungen arbeite. Letztlich entscheide am Ende der Warenkette der Verbraucher und am Anfang der Inverkehrbringer. Dies sei in der Regel nicht der Mischfutterhersteller.

Vollständiger Ersatz schwierig

Wo es ernährungsphysiologisch möglich ist, würden einzelne Hersteller auch auf den Einsatz von Palmölprodukten verzichten und Substitute verwenden. Das ergab eine Marktumfrage innerhalb der Verbandsmitglieder. Palmöl wird vorrangig im Spezialfuttersektor, beispielsweise in der Kälberfütterung eingesetzt. Dort sind Alternativprodukte nur bedingt möglich, da Palmölprodukte über ein in diesem Sektor ideales Fettsäuremuster verfügen. Eine Basis für Zertifizierungen böte beispielsweise der vorhandene RSPO-Standard. Man dürfe sich allerdings nicht auf ein einziges System verlassen. (SB)
stats