Die Düngeverordnung setzt die Vermarktungsperspektiven für Weizen mit hohen Proteinwerten aufs Spiel. Diese Überzeugung vertritt Mats Jönsson, HaGe Nord AG, Kiel, beim Saatguthandelstag in Warberg. Denn um Proteingehalte von 14 Prozent zu erzielen, könne auf eine Qualitätsdüngung nicht verzichtet werden. Nur mit solchen hohen Qualitäten lassen sich am Weltmarkt auch Spitzenpreise erzielen, von denen auch die Landwirtschaft profitiere, betont er.

Dabei lässt sich mit modernen Weizensorten auch bei niedrigeren Proteingehalten eine gute Backqualität erzielen, das beweisen Untersuchungen des Max-Rubner-Instituts (MRI) in Detmold. Das liege zum einen an der verbesserten Proteinqualität der Sorten, schildert Dr. Norbert Haase vom MRI. Die weit verbreitete Spätdüngung sei nur partiell wirksam. Mit einem erhöhten Proteingehalt werde die Proteinzusammensetzung nur sehr bedingt verändert. Haase wies darauf hin, dass zuletzt Weizensorten zugelassen wurde, die auch bei niedrigerem Proteingehalt ein hohes Backvolumen ermöglichen.

Zudem verwies Haase darauf, dass auch durch die Müllereitechnik und die Bäckereitechnologie Einfluss auf die Backqualität genommen wird. Die Anforderungen an den Proteingehalt von Weizen könnten mühelos um 0,75 Prozentpunkte herabgesetzt werden, ist Weizenzüchter Dr. Hubert Kempf, Secobra Saatzucht GmbH, Lemgo überzeugt.

Die Entwicklung in Dänemark und dessen Bedeutung am Weltmarkt führte Jönsson hingegen als abschreckendes Beispiel an: Nachdem der Einsatz von Düngemitteln Anfang der 1990er Jahre limitiert wurde, sanken allmählich die Erträge und Proteingehalte in Weizen von 12 Prozent auf heute 8,4 Prozent. Damit stehe „dänischer Weizen“ heute als Synonym für Futterweizen. Damit seien im internationalen Handel sogar 10 €/t weniger zu erzielen als mit deutschem Futterweizen.

In Dänemark werde nur noch auf 8 Prozent der Weizenflächen Qualitätsweizen angebaut. Das Land sei mittlerweile auf Importe angewiesen, berichtet der Händler. Ein solcher Abstieg in die 2. Liga sei auch für deutschen Weizen vorgezeichnet, fürchtet er, wenn die Düngeverordnung allzu strenge Limits setze. Dauerhaft könnten dann Handel und Landwirtschaft auch nur deutlich geringere Gewinne erzielen. (brs)
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