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Warenströme in Mecklenburg-Vorpommern – Studie FH Neubrandenburg

Agrarzeitung Ernährungsdienst 10. August 2005;
Von Silke Gröhne, Frankfurt a.M.

Ein Großteil der Getreideernte Mecklenburg Vorpommerns wird über die Seehäfen des Bundeslandes abgewickelt. Laut einer Studie der FH Neubrandenburg konkurrieren die Häfen verstärkt mit dem Transport per LKW. Die Mautpflicht auf Autobahnen könnte das ändern.

Nur ein knappes Fünftel der Getreideernte Mecklenburg-Vorpommerns wird regional verarbeitet oder konsumiert. Mehr als 80 Prozent des Getreides findet seine Abnehmer außerhalb der Landesgrenzen. Dabei dominiert der Seeweg. Eine Studie der Fachhochschule Neubrandenburg nennt die genauen Zahlen: Von 2000 bis 2004 wurden in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 4,7 Mio. t Getreide pro Jahr gedroschen und davon 65 Prozent per Schiff vermarktet. LKW transportierten in diesem Zeitraum 17 Prozent der Ernte in andere Bundesländer. Die Ausfuhrmenge der Häfen ist nach Angaben der Neubrandenburger Wissenschaftler in den vergangenen Jahren gesunken, wobei dieser Trend statistisch nicht abgesichert ist. Als Beleg führen die Forscher jedoch Gespräche mit den Geschäftsführen der Hafengesellschaften an: Die Schifffahrtsmanager betätigen demnach die Tendenz sinkender Umschlagsmengen. „LKW sind oftmals günstiger als Schiffe, wenn beispielsweise Getreide nach Hamburg gefahren wird und der Spediteur eine Rückfracht hat“, berichtet Dr. Clemens Fuchs. Der Professor für landwirtschaftliche Betriebslehre vermutet jedoch, „dass die Anfang 2005 eingeführte Maut diese Tendenz abbremsen könnte“.

Den Erzeugern in Mecklenburg-Vorpommern empfiehlt Fuchs eine klare Ausrichtung auf den Markt und skizziert zwei Wege: „Entweder stimmen sie sich mit der heimischen Verarbeitung ab und bauen Braugerste, Keks- Pizza- oder Futterweizen an. Oder sie erzeugen Qualitäten, die auch im Export ausreichend honoriert werden.“ Für die Ausfuhr kommen nach seiner Ausfassung sehr guter E-Weizen, aber auch bestimmte Partien A- und B-Weizen in Frage. „Deutscher Weizen hat auf dem Weltmarkt derzeit keinen guten Ruf“, urteilt Fuchs. Die große Sortenvielfalt hierzulande lasse sich industriell nur schwer verarbeiten. Exportwilligen Erzeugern rät er deshalb dazu, nur wenige Sorten anzubauen, die aber den Anforderungen des Marktes entsprechen.

Die Abhängigkeit vom Weltmarkt gilt jedoch nicht für alle in Mecklenburg-Vorpommern angebauten Früchte: Während beim Getreide aufgrund der geringen Verarbeitungskapazitäten hoher Ausfuhrdruck besteht, verbleibt der Raps zunehmend im näheren Umkreis der landwirtschaftlichen Produktion – als Rohstoff für Speiseöl und Biodiesel.



Infobox: Weizen dominiert

Die Hauptfrüchte in Mecklenburg-Vorpommern sind Weizen, Raps und Gerste. Unter den Kulturen ist ein deutlicher Trend zu erkennen: Während die Anbaufläche von Raps und Winterweizen zunimmt, steht immer weniger Roggen, Triticale und Wintergerste auf den Äckern. So ist beispielsweise die Rapsfläche in dem nordöstlichen Bundesland laut Untersuchungen der FH Neubrandenburg von 2000 bis 2004 um 43.000 ha auf 233.000 ha angewachsen. Zur Ernte 2005 ist die Fläche für Winterweizen erneut ausgedehnt worden. Raps scheint hingegen an die Fruchtfolgegrenze gekommen zu sein. Die FH Neubrandenburg erläutert die dominierende Stellung des Weizens mit der verminderten Wettbewerbsfähigkeit von Gerste und dem Ende der Roggenintervention. Als Gründe für den Rückgang des Triticaleanbaus nennen die Wissenschaftler die schrumpfenden Viehbestände in Mecklenburg-Vorpommern und Anfälligkeit der Triticale gegenüber Pilzkrankheiten.
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