Die Präzisionslandwirtschaft hilft, Maschinenlaufzeiten zu erhöhen und die Leistung je Feldarbeitsstunde zu steigern.
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Die Präzisionslandwirtschaft hilft, Maschinenlaufzeiten zu erhöhen und die Leistung je Feldarbeitsstunde zu steigern.

Unter dem Begriff Smart Farming sind in den vergangenen Jahren viele Technologien und Anwendungen für die Landwirtschaft entstanden. Werden die Anwendungen sortiert, ergeben sich drei Handlungsfelder. Zum ersten Handlungsfeld – die Maschinenautomatisation – zählen die GPS-Steuerung von Traktoren und Arbeitsmaschinen sowie der Datenaustausch zwischen Maschine und Gerät. Parallelführungen, Autopiloten, Teilbreitenschaltungen, Daten- und Steuerungskompatibilität zwischen Traktoren und Geräten und innerhalb verschiedener Gerätegruppen haben sich durchgesetzt.

N-Bilanz wird besser

Ihr Ziel ist, Maschinenlaufzeiten zu erhöhen, den Arbeitskräfteeinsatz zu reduzieren sowie die Leistung je Feldarbeitsstunde, Arbeitsqualität und -komfort des Bedieners zu steigern. Trotz großer Fortschritte in diesem Segment ist jeder Anwender gut beraten, sich die geforderte und mit dem Technikneukauf zugesicherte Inter-Kompatibilität im Vorfeld am besten schriftlich garantieren zu lassen.Das zweite Handlungsfeld ist die teilflächenspezifische Steuerung des Betriebsmitteleinsatzes. Die vier großen „R“ beschreiben diesen Bereich am besten: Das richtige Mittel soll zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge und am richtigen Ort kostensparend und ertragssteigernd ausgebracht werden. Der seit Kurzem verwendete Begriff des „Digital Cropping“ oder auch des „informationsgeleiteten Pflanzenbaus“ fokussiert exakt auf dieses Anwendungsfeld.Die Motivation aus Sicht des Landwirtes ist zunächst, Betriebsmittel zu sparen. Heute wissen wir, dass dies je nach Ausgangssituation zwar unterschiedlich gelingt.

Durchschnittlich liegt das Einsparpotenzial bei 10 bis 15 Prozent – bei steigenden Erträgen. Smart Farming führt jedes Jahr zu einem Ertragsfortschritt von 4 bis 6 Prozent. Allein aus diesen beiden Parametern ergibt sich ein Mehrerlös von rund 100€/ha und Jahr. Ein Nebeneffekt, der aktuell an großer Brisanz gewinnt, ist die Verbesserung der N-Bilanz. Mit Smart-Farming-Technologien in der Düngung ist die avisierte N-Bilanz problemlos erreichbar – bei einem besseren wirtschaftlichen Ergebnis für den Landwirt. Wer heute sorgenvoll auf die neue Düngeverordnung schaut, hat mit Smart Farming genügend Spielraum, die gesetzten Ziele zu erreichen.Zunehmend rücken in diesem Kontext auch die Pflanzenschutzmaßnahmen in den Fokus.

Trotz derzeit noch geringer Datenlage ist jetzt schon abzuschätzen, dass Wachstumsregler, Fungizide und Herbizide ein ähnliches, wenn nicht gar größeres Potenzial bieten wie die Düngung. Die gezielte Auswahl der Mittel, der optimale Zeitpunkt und die Anpassung der Mengen an die jeweilige Bestandssituation führen zu Ertragssteigerung und reduzierten mittleren Aufwandmengen; vor allem aber leisten sie einen großen Beitrag zur Resistenzvermeidung.Den Herstellern von Pflanzenschutzspritzen ist daher nur zu empfehlen, die Entwicklungen hinsichtlich variabel dosierender Geräte weiter zu forcieren.

Pflanzenschutzspritzen müssen schneller und exakter variieren können. Gleichzeitig eröffnet sich ein gewaltiges Feld für die professionelle Agrarberatung, speziell im Segment Pflanzenbau.Im dritten Handlungsfeld, dem Datenmanagement, gibt es aktuell den größten Nachholbedarf. Hier gilt es, mit Expertenwissen Daten zu verknüpfen, Sensorsysteme zu kalibrieren, Applikationskarten zu schreiben und somit letztlich Datenflüsse zu organisieren. Denn Daten sind der Schlüssel zum Erfolg. Ihre Erhebung muss zielgerichtet erfolgen und sich auf die agronomischen Einflussgrößen konzentrieren – so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.

Lösungsansatz ist cloudbasiert

Bislang werden eine ordnungsgemäße Buchführung, eine Schlagkarte mit entsprechenden Nachweisen und auch der Mehrfachantrag in Form geografischer Daten praktiziert. Smart Farming produziert im Vergleich dazu eine zigfache Menge an Daten. Ihre automatische, geordnete Speicherung, Weiterverarbeitung und Verdichtung zu sachlich korrekten und agronomisch begründbaren Entscheidungen ist eine große Herausforderung. Der Lösungsansatz liegt in cloudbasierten Systemen. Nur mit ihnen ist es möglich, komplexe Entscheidungssysteme benutzerfreundlich und wartungsarm zu halten, Informationen mit externen Partnern – zum Beispiel Pflanzenbauberatern oder Dienstleistern – zu teilen, und immer auf dem höchst verfügbaren Wissensstand zu halten.

Peer Leithold, Agricon, Jahna
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