Auf die umfassende Kritik an der energetischen Nutzung von Biomasse reagiert der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Er beklagt einen „Generalangriff" aus Reihen der Politik und von Umweltverbänden.

„Die Bioenergie taugt nicht als Sündenbock für eine verfehlte Agrarpolitik", sagte BEE-Präsident Dietmar Schütz heute in Berlin. Damit reagierte er auf die breite Kritik an der Nutzung des Biosprits E10. FDP-Politiker und Organisationen wie Greenpeace sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatten sich zuvor angesichts steigender Preise für Agrarrohstoffe für einen Verkaufsstopp des Kraftstoffs ausgesprochen.

Nach Ansicht von Schütz würde ein Verbot in Deutschland aber nichts an der globalen Ernährungslage ändern. Die wesentlichen Ursachen für Hunger seien Armut, Bürgerkriege und Klimawandel. Dazu kämen Überschuss-Exporte subventionierter Lebensmittel aus den Industriestaaten, die der Landwirtschaft in Entwicklungsländern dauerhaft den Boden entziehen. „Hier sollten Kritiker den Hebel ansetzen", forderte Schütz.

Das vielfach geforderte Ende der Biokraftstoffnutzung in Deutschland wäre mit Blick auf die Weltagrarpreise wirkungslos, so Schütz. Dafür sei deren Menge mit 0,1 Prozent der weltweiten Getreideernte für die deutsche Ethanolproduktion viel zu gering. Preissteigerungen beruhten auf einer Vielzahl von Faktoren wie zunehmendem Fleischkonsum, Wetterextremen, fehlenden Anreizen für höhere Lagerbestände oder Spekulationen mit Agrarrohstoffen.

Der FDP warf Schütz vor, das Thema für „simple Schlagzeilen" zu nutzen. Wäre die Partei an der Hungerbekämpfung gelegen, könnte sie sich für eine wirksame Einschränkung von Agrarspekulationen einsetzen, sagte er. Dem sei aber nicht so.

Am Wochenende hatte sich FDP-Generalsekretär Patrick Döring kritisch über den Anbau von Energiepflanzen geäußert. „Dass wir wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebauen, aus denen Biosprit und Biogas hergestellt werden, ist weder sinnvoll noch nachhaltig", sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.). Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel erneuerte heute seine Forderung, den Biosprits E10 nicht mehr an deutschen Tankstellen zu verkaufen. Bundesumweltminister Peter Altmaier hält dagegen daran fest, Pflanzen zur Erzeugung von Benzin und Strom zu nutzen. Biomasse sei „ein sehr vielseitiger und zuverlässiger erneuerbarer Energieträger, der eine wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung unseres Landes spielt". (sch)

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