Report Pflanzenschutz

Der Blick wird geschärft

Fabian Lehrke (l.) kann auf die Unterstützung seines Vaters Carl Jürgen Lehrke bauen.
-- , Foto: Privat
Fabian Lehrke (l.) kann auf die Unterstützung seines Vaters Carl Jürgen Lehrke bauen.

Seit 2013 gehört die Betriebsgemeinschaft Lehrke KG als „Demonstrationsbetrieb integrierter Pflanzenschutz“ zu einem bundesweiten Netzwerk, das nach Wegen sucht, die Maßnahmen in Praxisbetrieben zu optimieren (siehe Kasten). Der ständige Austausch mit den Experten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, aber auch Anregungen aus dem Julius Kühn-Institut, haben den Blick des 32-Jährigen auf die Pflanzenschutzanwendungen in seinem Betrieb geschärft.

Als Agrarabsolvent mit Masterabschluss kann Lehrke auf dem eigenen Betrieb einige wissenschaftliche Methoden nach wie vor anwenden. Er hat in Weizen, Gerste und Raps jeweils drei Schläge für die intensive Datenauswertung angelegt. Neben den Wetterdaten werden Bodenarten und Bodenbearbeitung genauso berücksichtigt wie Sorten und Düngung. Pflanzenschutzmittel kommen nach dem Schadschwellenprinzip zur Anwendung. Und es werden Spritzfenster eingerichtet, um die Auswirkung der Mittel in unterschiedlichen Intensitäten beobachten zu können.

Mittlerweile hat der Praktiker auch auf seinen übrigen Flächen Spritzfenster eingerichtet. „Es ist einfach hilfreich, die Wirkung eines Mittels auf diese Art und Weise beobachten zu können“, so seine Erfahrung. „Wir haben damit schon interessante Beobachtungen gemacht.“ Lehrke berichtet aus dem vergangenen Jahr, dass die Weizenbestände als gefährdet für Gelbrost eingestuft wurden. Dennoch kamen sie gut ins Schossen. Aufgrund der Spritzfenster haben die Kollegen in der Betriebsgemeinschaft im Nachhinein festgestellt, dass sie sich die Spritzung auch hätten sparen können. Auch den Einsatz von Wachstumsregulatoren können sie mithilfe der Spritzfenster sehr gut einschätzen.

Allerdings ist die Datenerfassung auch mit viel Arbeit verbunden. Die häufige Beobachtung der Bestände, das Notieren der Daten und das Schreiben von Berichten kosten Zeit. Fabian Lehrke ist deshalb froh, dass seine beiden aktiven Kollegen in der Betriebsgemeinschaft bei diesem Projekt, das eine Laufzeit von fünf Jahren hat, mitspielen.

Betreuung durch die Kammer funktioniert sehr gut

Auch die Betreuung seitens der Landwirtschaftskammer funktioniert sehr gut. Ein großer Teil der Bonitierung wird von der Projektbetreuung übernommen. Zudem besteht die Möglichkeit, Versuche in den eigenen Flächen durchführen zu können. Davon hat der Betrieb ebenfalls profitiert. Durch die intensive Zusammenarbeit hat sich die Einstellung des zweifachen Familienvaters zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln etwas verändert. „Wir betrachten die Anwendungen jetzt sehr viel kritischer“, bestätigt ihn auch sein Vater Carl Jürgen. Er ist im Betrieb für die Buchhaltung zuständig. So wird bei der Wahl der Sorten natürlich auf die Ertragserwartungen und die Eignung nach der Vorfrucht geachtet. Wenn sich zwei Sorten dabei sehr ähnlich sind, steht ihre Widerstandsfähigkeit im Vordergrund. Damit können zusätzliche Aufwendungen eingespart werden. Wichtig ist für ihn, dass sich die Pflanzenschutzmaßnahmen rechnen. „Schließlich leben wir vom Ertrag, den wir ernten“, so Fabian Lehrke. Auf der anderen Seite sieht er aber auch die Gefahr des „Sich-Kaputtsparens“, wenn es nur noch um den Preis geht.

Auch fällt vermehrt die Entscheidung für Mittel, die gezielt gegen bestimmte Krankheiten eingesetzt werden können. Breit wirkende Produkte oder prophylaktische Maßnahmen sind weitgehend tabu. „Neben der Tatsache, dass sie teurer sind, handeln wir uns damit auch Resistenzen ein“, ist Lehrke überzeugt. „Außerdem haben wir gelernt, auf die eine oder andere Maßnahme zu verzichten“, so seine Einstellung. Sein Blick auf die Bestände hat sich verändert.


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Raps ist schwer in die Gänge gekommen

In diesem Jahr erwartet der Praktiker aus jetziger Sicht keine größeren Besonderheiten. Behandelt wurde in diesem Frühjahr bereits gegen den Rapsstängelrüssler – aber auch nicht alle Flächen. Generell ist der Raps nach der Aussaat schwer in Gang gekommen. Die Schadschwelle für den Erdfloh war im Herbst überschritten. Aber die Pflanzen waren sehr klein. „Da war es schwer, eine Entscheidung zu treffen. Die Blattflächen waren einfach zu klein. Schlussendlich haben wir uns später für eine Maßnahme entschieden. Die fehlende Beize im Raps ärgert mich schon.“ Mittlerweile hat sich der Raps zurechtgewachsen. Dennoch rechnet Lehrke nur mit einer durchschnittlichen Ernte und sehr unterschiedlichen Erträgen.

Im Herbst hat auf den Weizenflächen die Unkrautbekämpfung stattgefunden. Gegen den Ackerfuchsschwanz sieht der Niedersachse aber fast nur die Umstellung der Fruchtfolge auf Sommerungen als Lösung. Als Herbstkeimer ist dieses Kraut so gut wie nur mit mechanischen Mitteln im Frühjahr zu bekämpfen. Resistenzen sind hier bereits ein Thema. In Sehnde fällt die Wahl dann häufig auf die Rübe.

Ein Wechsel der Wirkstoffe wird immer schwieriger

Überhaupt fehlen nach Auffassung Lehrkes speziell bei Insektiziden und Herbiziden neue Wirkstoffe. „Es kommen zwar immer neue Produkte auf den Markt. In der Regel handelt es sich aber häufig um dieselben Wirkstoffe“, bemängelt er. In der Gerste wird er in diesem Jahr auch einen Wirkstoffwechsel gegen Pilzkrankheiten vornehmen müssen. Im Weizen ist wie in den vergangenen Jahren der Gelbrost und bei entsprechender Witterung zur Blüte der Fusariumbefall im Auge zu behalten.

Alle Maßnahmen auf seinem Betrieb hängen sehr von der Witterung, der Sorte und dem Schlag ab. „Kein Jahr ist wie das andere“, so die Erfahrung des noch jungen Agrariers. „Wir müssen uns jedes Jahr neu auf die Bedingungen einstellen. Ein Patentrezept für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gibt es nicht.“ (dg)
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