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Lohnunternehmer peilen komplette Arbeitsketten an – Fahrweise senkt Kosten

Agrarzeitung Ernährungsdienst 8. Oktober 2005; Von Olaf Schultz, Frankfurt a.M.

Die Produktivität des Maschinenparks der Lohnunternehmer ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Wo noch „Leistungsbedarf“ gesehen wird, auf welche Finanzierungsmodelle die Lohnunternehmer setzen und wie die Branche auf die steigenden Energiekosten reagiert, erläutert Alfred Schmid, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnunternehmen (BLU) e.V., Suthfeld-Riehe, im Interview mit der Agrarzeitung Ernährungsdienst.

Für welche Arbeitsgebiete der Lohnunternehmer sehen Sie weiteren „Leistungsbedarf“ der Maschinen?

Schmid: Die Produktivität der Lohnunternehmer wird heute in der Regel allen Wünschen der Kunden gerecht. Schlagkräftige Maschinenkapazitäten gibt es mehr als genug. Das Problem ist weniger die leistungsfähige Technik, sondern vielmehr die immer stärkere Konzentration der Arbeitsvorgänge auf kurze Einsatzzeiten. Aus wirtschaftlicher Sicht kann kein Unternehmer teure Erntemaschinen für kurzfristige Arbeitsengpässe vorhalten. Was nützen zum Beispiel noch leistungsfähigere Mähdrescher, wenn unzureichende Lager- oder Trocknungskapazitäten den Einsatz der Maschinen begrenzen.

Beim Silieren sind die Bedingungen vergleichbar. Auch hier ist der Häcksler selten der Engpass. Das Angebot kompletter Arbeitsketten hat einen erheblichen Produktivitätszuwachs bewirkt. In Lohnunternehmen bestimmt die Optimierung der Logistik das Leistungspotenzial, weniger die Größe der Einzelmaschine. So behindern zum Beispiel zu kleine Transporteinheiten durch das ständige Abladen auf dem Silohaufen den Walzschlepper. Fast jede Investition wird im Lohnunternehmens mit einem höheren Leistungspotenzial der Maschine verknüpft. Dies verbessert zwangsläufig die Produktivität. Weitere Aktivitäten sind in der Verbesserung der Logistik mit einem Angebot an kompletten Arbeitsketten sowie in der Bodenbearbeitung und der Bestellung zu erwarten. Gerade die letztgenannten Bereiche erfreuen sich größerer Nachfrage.

Lässt sich generell ein Trend zu Investitionen in Großmaschinen erkennen, oder gibt es hier regionale Unterschiede in Deutschland?

Schmid: Der Trend zur größeren und leistungsfähigen Maschine bleibt schon aus Gründen einer nachhaltigen Produktivitätsverbesserung bestehen. Die jeweilige Region spielt weniger eine Rolle, auch wenn Standorte mit besseren Rahmenbedingungen einen zeitlichen Vorsprung haben. Selbst auf Kleinparzellen kommen bei der Ernte fast nur noch Selbstfahrer zum Einsatz. Der hohe Konkurrenzdruck zwingt die Lohnunternehmer zur Investition in Schlagkraft. Wer sich als Dienstleister diesem Marktdruck entzieht, verliert schnell Marktanteile.

Steht bei Neuinvestitionen in Landtechnik eher das klassische Kreditgeschäft oder Leasing im Vordergrund?

Schmid: Bisher stand das typische Kreditgeschäft im Vordergrund. Neben der traditionellen Kreditvergabe durch die Hausbank war und ist die Herstellerfinanzierung eine tragende Säule der Maschinenfinanzierung. Da die Hersteller zur Verkaufsförderung oft beste Zinsbedingungen offerieren, nutzen Lohnunternehmer die Angebote. Ein zusätzlicher Vorteil ist der der Besicherung der Kredite über die Maschine. Dies gilt übrigens auch für die Leasingangebote. Nachteilig wirkt sich hingegen vielfach die Kurzfristigkeit der Laufzeiten mit hohen Zahlungsverpflichtungen aus. In Anbetracht der begrenzten Auslastungsmöglichkeiten können nur finanzstarke Lohnunternehmer eine schnelle Rückführung der Kredite sicherstellen.

Die Bankenfinanzierung hat wegen der wachsenden Bonitätsansprüche an Bedeutung verloren. Zudem haben sich einzelne Banken komplett aus der Landwirtschaft zurückgezogen. Profitiert haben davon die Leasingunternehmen, die mit marktgerechten Angeboten und einer nutzungsbezogenen Laufzeit die wachsende Nachfrage bedienen.

Welche Möglichkeiten haben die Lohnunternehmer, auf die steigenden Energie- und Treibstoffkosten zu reagieren?

Schmid: Die hohen Treibstoffkosten machen den Lohnunternehmern als einer energieintensiven Branche schwer zu schaffen. Die Betriebe müssen neben den marktbedingten Kostensteigerungen auch den Wegfall der Agrardieselvergütung in Höhe von 21,48 Cent pro Liter verkraften. Somit haben sich die Kosten in kurzer Zeit verdoppelt. Je nach Arbeitsbereich müssen Lohnunternehmer bis zu 20 Prozent des Umsatzes allein für Treibstoff aufwenden. Da der Wettbewerb oft keine volle Kostenumlage auf die Arbeitspreise zulässt, suchen Lohnunternehmer nach Alternativen. Erste Priorität hat eine energiesparende Fahrweise, die auch in speziellen Lehrgängen vermittelt wird. Auch das Angebot des Verbandes zur Beschaffung kostengünstiger Dieselmessgeräte erfreut sich großer Nachfrage. Der Einsatz von Biodiesel spielt bei Lohnunternehmern bisher eine untergeordnete Rolle. Dafür konzentrieren sich die Betriebe auf den Einsatz von Pflanzenöl. Da die Motorenhersteller keine Garantieleistungen in Verbindung mit dem Einsatz von Pflanzenöl übernehmen, vermittelt der Bundesverband einen kostengünstigen Versicherungsschutz über ein Maklerbüro. Zwischenzeitlich haben viele Lohnbetriebe auf den Einsatz von Pflanzenöl umgerüstet. Ein weiterer Lösungsansatz ist die Beimischung in Maschinen mit hoher Dauerbelastung, zum Beispiel im Verhältnis fünfzig zu fünfzig. Bisher fehlen entsprechende Langfristerfahrungen. Sicher ist hingegen, dass die Umrüstung entsprechende Anforderungen an die Einhaltung und Überwachung der Wartungsintervalle stellt. Bei unsachgemäßer Handhabung sind Schäden vorprogrammiert.

Insgesamt hält sich die Begeisterung der Lohnunternehmer zur Umrüstung aus wirtschaftlicher Sicht in Grenzen. Da viele Kunden den Preisvorteil umgehend für sich reklamieren, schwindet der Anreiz zur Umstellung. Ohne angemessenen Risikoausgleich und Kostenvorteil wird kein Lohnunternehmer investieren.

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