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Ufop hat Prognosen zur guten Marktlage frühzeitig bekannt gemacht

26. April 2003; Von Dagmar Behme, Agrarzeitung Ernährungsdienst, Frankfurt a. M.

Was war Anlass, 1990 die Ufop zu gründen?

Bertram: Der Rapsanbau hatte sich Anfang der achtziger Jahre nach Einführung der 0-Qualität und später der 00-Qualität sprunghaft entwickelt. 1987 waren in der alten Bundesrepublik Deutschland 400.000 ha erreicht. Da damals Raps nicht im Absatzförderungsgesetz verankert war, sahen wir beim Bauernverband die Notwendigkeit, den Absatz für die wachsende Produktion zu sichern. Außerdem war es wichtig, bei dieser neuen Kultur die Produktionstechnik weiter zu entwickeln und das Sortenversuchswesen zu optimieren.

War die deutsche Vereinigung auch ein Grund für die Entstehung der Ufop?

Bertram: Nein. Die Vorarbeiten zur Gründung der Ufop liefen schon Ende der achtziger Jahre. Aber wir waren froh, dass wir die Ufop zu diesem Zeitpunkt gegründet hatten, denn der Rapsanbau in ganz Deutschland lag Anfang der neunziger Jahre dann bei rund 1 Mio. ha. Und es kamen große agrarpolitische Herausforderungen auf den Rapsanbau zu. Der Ölsaatensektor wurde mit der EU-Agrarreform von 1992 als erstes völlig liberalisiert, was die Preise anbetrifft. Gleichzeitig wurde mit der Flächenstilllegung die Möglichkeit geschaffen, auf diesen Flächen nachwachsende Rohstoffe anzubauen. Dazu haben wir als Ufop von Anfang an auf Biodiesel gesetzt. Außerdem wurde das Blair-House-Abkommen für Ölsaaten mit der Garantieflächenregelung beschlossen.

Der Anbau von Non-Food-Raps war zunächst ein Auf und Ab. Wie haben Sie die Entwicklungen als Ufop-Geschäftsführer erlebt?

Bertram: Natürlich hat der Anbau auf Stilllegungsflächen zunächst einen riesigen Verwaltungsaufwand mit sich gebracht. Wie oft bin ich damals in Brüssel gewesen, um Unklarheiten wegen der Vertragsgestaltung auszuräumen. Wichtig war es aber, in Deutschland selbst die Biodiesel-Strategie konsequent umzusetzen.

Und wie sind Sie mit den Beschränkungen durch das Blair-House-Abkommen umgegangen?

Bertram: Das war in der Tat ein großes Problem für die deutschen Landwirte. Einerseits wurde der Anbau von Food-Ölsaaten national durch die Garantiefläche begrenzt, andererseits darf bis heute im Non-Food-Anbau in der EU das Sojaschrotäquivalent von 1 Mio. t nicht überschritten werden. Dann hatten wir bis 2000 auch noch die Abschneidegrenzen für Food-Ölsaaten in den neuen Bundesländern. Deswegen haben wir seit 1996 vom Marktforschungsunternehmen Kleffmann jährlich Prognosen zur Entwicklung des Food- und Non-Food-Anbaus in Deutschland erstellen lassen. Im November haben wir dann jeweils Empfehlungen veröffentlicht, ob die Landwirte Winterrapsflächen umwidmen sollen und wie sie sich bei der Frühjahrsbestellung von Ölsaaten verhalten sollen. Das System hat hervorragend funktioniert, sodass Blair House nicht zu dem gefürchteten Politikum geworden ist.

Sind Sie mit dem Erreichten zufrieden?

Bertram: Wir sind besonders stolz darauf, dass es trotz dem Abbau der Flächenzahlungen seit 1999 entgegen aller Befürchtungen in Deutschland zu einer Ausdehnung des Rapsanbaus gekommen ist, während in anderen EU-Ländern der Ölsaatenanbau eingeschränkt worden ist. Dadurch haben die deutschen Landwirte vollständig von der guten Marktlage für Raps profitieren können. Die guten Perspektiven am Markt wurden uns frühzeitig von Thomas Mielke vom Branchendienst Oil World in Hamburg signalisiert. Unsere breit gestreuten Informationen an die Landwirte zur Winterrapsaussaat haben dann entsprechende Konsequenzen gehabt.

Wo sehen Sie die künftigen Aufgaben für die Ufop?

Bertram: Wir müssen den Absatz von Raps noch sicherer machen. Nachdem die Non-Food-Strategie sich durchgesetzt hat, setzen wir uns im Food-Bereich dafür ein, dass Rapsspeiseöl aus heimischer Produktion als solches deklariert wird. Es muss im Bewusstsein des Verbrauchers als hervorragendes und gesundes Produkt verankert werden. Bei Pflanzenöl sind wir schon recht erfolgreich. Was ich mir wünsche, ist eine deklarierte Raps-Margarine. Eine Thüringer Firma hat hierbei Pionierarbeit geleistet. Wir versuchen, die großen Lebensmittelhersteller zu gewinnen. Denn es wird mit Sicherheit auch bei Ölsaaten einmal wieder eine Marktkrise kommen. Wenn sich Rapsspeiseöl dann profiliert hat, ist eine solche Krise schneller überstanden.

Und wie sehen Sie die Chancen für Eiweißpflanzen?

Bertram: Der Anbau von Eiweißpflanzen hat Perspektiven. Es wird Züchtungsfortschritt geben, die Produktionstechnik wird verbessert. Eine große Chance sehe ich, wenn Nachhaltigkeit in der Praxis einen messbaren Stellenwert erhält. Eiweißpflanzen werden an Bedeutung gewinnen, wenn sich der hohe Stellenwert in der Fruchtfolge in Euro und Cent rechnet.
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