Lohmann Tagung

Deutschland ist Discount-Weltmeister

Als Ursachen für die Lebensmittelskandale, die in den vergangenen drei Dekaden öffentlich wurden, sieht Professor Bernd Hallier vom EHI Retail Institute mehrere Entwicklungen. Da seien zum einen die Massendistribution, darüber hinaus die Globalisierung und als letztes die Anonymisierung vom Produzenten bis zum Konsumenten zu nennen. 


Auf der Lohmann Tagung in Cuxhaven sagte er am gestrigen Mittwoch, dass Angebot und Nachfrage in der Regel weltweit durch den niedrigsten Preis gesteuert würde. „Ware gibt es im Überfluss“, so Hallier. Weltmeister der Discountierung ist in seinen Augen Deutschland. 


Die in Folge der Skandale eingerichteten Zertifizierungen zur Schaffung einer flächendeckenden Rückverfolgbarkeit mündeten in den Kriterien einer „guten Agrarpraxis (GAP)“ Eurepgap/Globalgap, an der heute 150 Länder beteiligt sind. 


Hallier betonte, dass das Verbraucherverhalten sehr heterogen sei und nicht nur auf einer finanziellen Schichtung beruhe, sondern auch situationsbedingt sei. Kriterien wie Regionalität, Bio, Fair Trade und Tierwohl spielen teils produktbezogen, teilweise spontan eine Rolle. Nach wie vor bilden Schlagzeilen von betrieblichem Fehlverhalten einen Grund für häufig kurzfristige Umorientierung. Hallier: „Mittel- bis langfristig gewinnt Corporate Social Responsibility in der gesamten Total Supply Chain an Bedeutung.“ (BS)
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