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Schlaglöhne werden äußerst eng – Rapsexpeller lässt sich leicht vermarkten

Agrarzeitung Ernährungsdienst 13. Dezember 2006; Von Hermann Steffen, Bonn

Bei den dezentralen Ölmühlen ist die Kalkulation durch die gestiegenen Rapspreise erheblich enger geworden. Eine schrittweise Besteuerung von Pflanzenölen wird sich auf die Margen negativ auswirken.

Die Margen bei den dezentralen Ölmühlen werden zunehmend enger und laufen bei den derzeitigen Rapspreisen gegen Null, so Stimmen von Ölmühlenbetreibern in Nordrhein-Westfalen. Die Fahrt führte unter anderem zur Mühle Druffel, Oelde, einer Betriebsstätte der Raiffeisen Hellweg Lippe eG (RHL), Werl, und zur Ölmühle der Kleeschulte GmbH & Co. in Büren. Die beiden ähnlich strukturierten Ölmühlen erfassen jährlich rund 15.000 t Raps pro Jahr, von denen sie 8.000 t im Jahr zu 2,9 bis 3 Mio. t kalt gepresstem Rapsöl verarbeiten. Beide konnten beim Bau der Anlagen auf bestehende Immobilien und Lagermöglichkeiten sowie technische Einrichtungen zurückgreifen und dadurch Kosten einsparen.

Neue Kalkulation

Bei der Planungsphase sei die Kalkulationsgrundlage noch eine völlig andere gewesen, doch inzwischen seien die Rapspreise kräftig gestiegen, die Ölpreise stagnierten und die Mineralölpreise seien gefallen, konstatierten Theo Druffel von der Mühle Druffel und Lothar Guthof von Kleeschulte Agrar. Für eine rentable Produktion sei ein Schlaglohn von 30 €/t erforderlich und derzeit seien die Margen noch knapp im Plus. Noch bis 2008 würde die Rechnung bei den Ölmühlen aufgehen. Ab 2009 ergebe sich durch die weiter steigende Besteuerung keine positive Kalkulation mehr, so Guthof. Schon am 1. Januar 2007 würde Pflanzenöl durch die fiktive Steuer in Höhe von 2,15 Cent/l belastet, bedingt durch die gesetzlich vorgeschriebene Beimischungsquote. Ab dann hätten die Hersteller die Vornorm für Rapsölkraftstoff DIN V 51605 zu garantieren, ansonsten würde der volle Energiesteuersatz von 47 Cent/l fällig. Wer bei den heutigen Rapspreisen eine neue Anlage baue und die komplette Saat kaufen müsse, könne bei einer Minusmarge die Abschreibungen nicht mehr erwirtschaften. Die bestehenden Anlagen müssten sich möglichst schnell amortisieren, doch dies sei bis 2008 kaum möglich, wenn die Preisrelation zwischen Saat und Öl so bleibe. Dies könnte für kleine dezentrale Anlagen sehr problematisch werden. Die ersten kleinen Anlagen würden schon abgestellt, so war auf der Exkursion zu hören.

Einhaltung der Norm

Der Ölabsatz der beiden Ölmühlen erfolgt fast ausschließlich an Speditionen, kleine Mengen werden für den eigenen Fuhrpark und teilweise in einem Blockheizkraftwerk verwendet. Den Abnehmern wird reines Rapsöl nach DIN-Norm und ohne Beimischungen garantiert. Die Preise an den eigenen Tankstellen liegen derzeit bei 78 Cent/l einschließlich Mehrwertsteuer, für Großkunden und Abnahme von vollen Zügen bei 64,4 Cent/l netto. Beide Ölmühlen wären in der Lage, bei weiter sinkenden Mineralölpreisen und nach zusätzlichen Investitionen in Gebäude und Abfüllanlagen ihr Öl als Lebensmittel zu vermarkten. Doch da sich nur maximal 10 Prozent des kalt gepressten Rapsöls auf den lokalen Märkten vertreiben lasse, rechneten sich die hohen zusätzlichen Investitionskosten nicht, meint Guthof. Sehr zufrieden äußerten sich beide Betreiber über den Absatz von Rapskuchen mit einem Restfettgehalt zwischen 12 und 13 Prozent. Bei Preisen von 120 bis 130 €/t ab Station würden ihnen die Rapsexpeller aus der Hand gerissen, so dass die energetische Verwertung noch kein Thema sei.
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