az-Länderserie Vereinigtes Königreich

Die Agrarpolitik auf der Insel wird grüner


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Denn weltweit betrachtet hat der britische Landwirtschaftssektor wenig Gewicht. Und auch im Land selbst kommt dem Agrarsektor nur eine geringe Bedeutung zu. Wichtige Regionen für den Ackerbau konzentrieren sich auf den Osten Englands. Erzeuger dreschen dort einen Großteil des britischen Weizens und roden den Löwenanteil der Zuckerrüben.

Anfang Mai 2015 fanden die Unterhauswahlen im Vereinigten Königreich statt. Die Agrarpolitik spielte im Wahlkampf jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Dies spiegelt die Bedeutung des Sektors: Im Vereinigten Königreich trägt die Landwirtschaft gerade einmal knapp 1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Motor der Wirtschaft ist der Dienstleistungssektor mit einem Anteil von 80 Prozent am BIP. Zum Vergleich: In Deutschland erwirtschaftet die Landwirtschaft etwa 0,9 Prozent des BIP, auf den Dienstleistungssektor entfallen 69 Prozent.

Landnutzung
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Landnutzung
Ähnlich wie Deutschland, ist das Vereinigte Königreich sehr dicht besiedelt. Auf einen Quadratkilometer kommen dort 260 Einwohner, während es in Deutschland 231 sind. Rund ein Viertel der gesamten Landesfläche von rund 24 Mio.ha wird für den Ackerbau genutzt, davon rund 4,7 Mio. ha für Getreide und 0,7 Mio. ha für Ölsaaten. Bei Getreide dominiert der Weizenanbau, dessen Fläche in den vergangenen Jahren zwischen 1,8 und knapp 2 Mio. ha schwankte. Wichtigste Kornkammern befinden sich im Osten und Südosten Englands, wo zusammengenommen ein Drittel des gesamten britischen Weizens erzeugt wird, gefolgt mit einigem Abstand von Schottland, das einen Anteil von 6 Prozent am Weizenanbau hält. Die Zahl der kommerziellen Agrarbetriebe beziffert die offizielle Statistik zuletzt mit 222.000 – gut 100.000 davon in England, 53.000 in Schottland und 42.000 in Wales. Rund ein Fünftel der Betriebe bewirtschaftet etwa 70 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von 17,3 Mio. ha. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 78 ha.

Fleischverbrauch pro Kopf
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Fleischverbrauch pro Kopf
Wachstumsfelder in der britischen Landwirtschaft lagen zuletzt in der Erzeugung von Geflügel- und Schweinefleisch, wohingegen die Rinder- und Milchviehherde schrumpfte. Auch die Briten kennen die Diskussion um die sogenannte Massentierhaltung. So stößt der Schweineerzeuger Midland Pig Producers mit seinen Plänen, in der ostenglischen Grafschaft Derbyshire eine Mastanlage für 24.500 Schweine mit angeschlossener Biogasanlage zu bauen, auf Protest. Hürden im Genehmigungsprozess führen dazu, dass die 2011 bekannt gegebenen Pläne für den Standort noch nicht umgesetzt wurden. Während passend zur liberalen Politiktradition der alten Handelsnation vordergründige Ziele der Agrarpolitik die Steigerung der Effektivität und Wettbewerbsfähigkeit sind, finden auch ‚grüne‘ Aspekte wie das Tierwohl und der Erhalt der Biodiversität zunehmend Beachtung. (pio)

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar
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