Durch den Striegeleinsatz werden die Bestockung und das Wachstum der Gräser gefördert.
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Durch den Striegeleinsatz werden die Bestockung und das Wachstum der Gräser gefördert.

Eine optimale Bearbeitung des Grünlands beginnt im Frühjahr mit einer frühen Düngung. Die beste Ausnutzung des Stickstoffs wird zu Vegetationsbeginn erzielt. Die „korrigierte Temperatursumme“ bei 200° C sollte als Orientierungswert für die erste mineralische N-Gabe im Frühjahr genutzt werden. Bei der Berechnung der korrigierten Temperatursumme werden ab Januar die positiven Tagesmitteltemperaturen summiert. Um das in den Wintermonaten reduzierte Strahlungsangebot zu berücksichtigen, wird die Monatssumme vom Januar mit dem Faktor 0,5 und die Februarsumme mit dem Faktor 0,75 multipliziert. Ab März werden die Monatssummen der positiven Tagesmitteltemperaturen voll hinzuaddiert. Abzüge werden nicht vorgenommen, auch nicht bei Frost.

Rispen sollten entfernt werden

Stickstoff beschleunigt das Pflanzenwachstum entscheidend, sodass mit steigender N-Düngung tendenziell häufiger der Aufwuchs genutzt werden muss. Die erforderliche Höhe der N-Gabe im Grünland wird im Wesentlichen von der natürlichen Produktivität des Standorts (Wasserversorgung, Bodenerwärmung, Mineralisationsrate) sowie des Pflanzenbestands beeinflusst, aber auch von der zur Verfügung stehenden Hauptfutterfläche je Großvieheinheit. Je geringer die Flächenausstattung ist, desto höher werden die Ansprüche an einen guten Ertrag zur Sicherstellung des Futterbedarfs.

Schleppen oder Striegeln sind Pflegemaßnahmen, die im Frühjahr im Programm der Grünlandpflege auf gut abgetrockneten Flächen nicht fehlen dürfen. Durch den Striegeleinsatz werden die Narbe belüftet und die Bestockung und das Wachstum der Gräser gefördert. Abgestorbenes und ausgewintertes Pflanzenmaterial wird aus dem Bestand gekämmt. Zudem lassen sich unerwünschte Untergräser wie die Gemeine oder Jährige Rispe mit dem Striegel gut entfernen. Dabei kann der Striegel ruhig scharf eingestellt sein, um die obere Bodenschicht bewusst anzuritzen. Die so innerhalb der Grasnarbe mechanisch erzeugten Narbenlücken sind zügig durch eine Nachsaat mit anschließendem Walzgang zu schließen.

Für Nachsaaten empfiehlt sich das Deutsche Weidelgras, das dank seines hohen Futterwerts, seiner zügigen Jugendentwicklung, einer dichten Narbenbildung und einer insgesamt hohen Ertragsfähigkeit als „das Leitgras“ gilt. Hier sollte genaues Augenmerk auf die richtige Nachsaatmischung gelegt werden, die vom Nutzungsziel, der Nutzungsintensität sowie vom Standort abhängig ist. Das rechtzeitige Schließen der Lücken wirkt der Entwicklung und Ausbreitung von unerwünschten Kräutern im Bestand entgegen. Bei starker Verkrautung ist eine vorgeschaltete chemische Bekämpfung sinnvoll.

Wasser und Licht wichtig

Wichtig für eine erfolgreiche Etablierung der Nachsaat in der Altnarbe ist eine anschließende Wasserversorgung in Verbindung mit ausreichend Licht und Luft. Ein Walzgang ist nach einer Nachsaat ebenso vorteilhaft zu bewerten wie eine frühe erste Nutzung durch Beweidung oder ein zeitiger erster Schnitt für die Entwicklung von Seitentrieben und der jungen Keimlinge.

Das Walzen im Frühjahr trägt durch Verbesserung des Bodenschlusses zu einer erhöhten Wärmeleitfähigkeit sowie zu einer verbesserten Wasser- und Nährstoffführung durch Wiederanschluss hoch gefrorener Bodenschichten an untere Horizonte bei. Bei Lehmböden sollte wegen der Gefahr der Verdichtung gerade bei feuchten Bodenbedingungen auf das Walzen verzichtet werden.

Im Herbst stehen Pflegemaßnahmen im Vordergrund, die das Grünland gezielt auf den Winter und die kommende Vegetationsperiode vorbereiten. Überständige Weide- und Futterreste wirken sich verschlechternd auf die Flächenleistung des Grünlandes und damit auch auf die Qualität des Grundfutters und folglich auf die Leistungsfähigkeit des Tieres aus. Durch das Ausmähen wachsen die Bestände gleichmäßig heran.

Der nachfolgende optimale Zeitpunkt für die Mahd oder die Beweidung kann dadurch wesentlich besser gesichert werden. Diese sollten rechtzeitig und vor dem Frost erfolgen. Eine kurze Narbe vor Winter sorgt für eine optimale Überwinterung des Grünlandbestands. Dabei sollte eine Aufwuchshöhe von 5 bis 7cm nicht überschritten werden. Aber nicht nur ein zu hoher Aufwuchs, sondern auch eine zu kurz gehaltene Grünlandnarbe wirkt sich nachteilig auf die Winterfestigkeit aus. Eine Aufwuchshöhe von mindestens 5 cm ist für den Erhalt des Vegetationskegels notwendig. Wird dieser bei zu tiefem Schnitt oder Verbiss von Weidetieren entfernt, ist mit einer erhöhten Gefahr der Auswinterung durch mangelnde Reservestoffeinlagerung zu rechnen.

Staunässe fördert Unkräuter

Grünlandnarben, die unter Staunässe leiden, verändern ihre Bestandeszusammensetzung zugunsten unerwünschter Gräser und feuchteliebender Unkräuter. Nach der letzten Nutzung sollten deshalb die verschiedenen Entwässerungssysteme kontrolliert werden, damit sichergestellt wird, dass diese funktionstüchtig bleiben.

Felicitas Kaemena,
Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, Overgönne
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