Report Saatgut Sommergetreide

„Die Landwirte sind vorsichtig geworden“

Um die Produktion von Saatgut zu organisieren, schauen VO-Firmen weit in die Zukunft. Die Saatgut-Logistik für jede Aussaat ist in manchen Kulturarten entscheidend, erklärt Hans-Peter Ruopp im az-Interview.


-- , Foto: BVO

az: Wie steht es um die Saatgutversorgung mit Sommergerste in diesem Frühjahr?

Ruopp: Schon bei der Ernte des Sommergetreides zeichnete sich eine gute Versorgungslage ab. Dies bestätigen die ersten Anerkennungen. Geringere Saatgutausbeuten sind nur regional und auch nur bei einzelnen Sorten feststellbar.

Entscheidend bei der Sommerbraugerste wird vor allem die Sortenwahl sein. Bei der aktuell wichtigsten Sorte in diesem Segment wurde die Vermehrungsfläche deutlich ausgedehnt. Da diese Sorte international keine große Rolle spielt, wird es nicht zu exportbedingter Knappheit kommen. Auch bei den anderen Braugerstensorten gibt es aus heutiger Sicht keinen Versorgungsengpass. Sommerfuttergerste, in vergangenen Jahren regional aufgrund Knappheit auch mal gesucht, dürfte ausreichend vorhanden sein.

Und die anderen Arten?

Ruopp: Der Sommerhafer hat immer mehr an Bedeutung verloren. Inzwischen scheint eine stabile Situation erreicht. Trotz regional widriger Aufwuchsbedingungen 2016 überraschen die bis dato vorliegenden guten Qualitätskriterien. Eine normale Nachfrage sollte der Markt bedienen können.

Sommertriticale wurde mit dem Biogas-Boom in den letzten Jahren immer stärker nachgefragt. Die VO-Firmen werden die Nachfrage bedienen können. Sommerroggen ist ein Exot unter den Sommergetreidearten. Knappheit entsteht durch die schwierige und teure Logistik.

Trotz geringer Anbauflächen möchte ich auch den Sommerhartweizen erwähnen. Diese Kulturart wird fast nur in Kontrakten angebaut. Die Bedeutung der Sommerung hat mit der Züchtung von Wintertypen stark abgenommen. Hierauf hat sich die Vermehrung eingestellt. Die Saatgutversorgung scheint gesichert.

Wie sind Sommerweizensorten mit A- und E-Qualität zu beurteilen?

Ruopp: Ein ständiges Auf und Ab über die Jahre hinweg lässt nur eine spekulative Aussage zu. Aus momentaner Sicht scheint der Markt ordentlich versorgt. Sollte allerdings aufgrund von Auswinterungen Nachfrage für den Export entstehen, kann sich die Situation schnell ändern. Betriebe, die heute schon wissen, dass sie Sommerweizensaatgut benötigen, sollten zügig bestellen.

Müssen die Vermehrungsflächen in diesem Jahr größer angelegt werden, um die Lager aufzufüllen?

Ruopp: Die VO-Firmen produzieren grundsätzlich nicht für längere Bevorratung. Die jährlichen Unterschiede der Erntemengen und des Saatgutabsatzes sind groß und lassen eine abgesicherte Planung nicht zu. Mit den Partnern in Vermehrung und Aufbereitung wird so geplant, dass zufriedenstellende Verkaufsquoten erreicht werden können.


Zur Person
Hans-Peter Ruopp ist erster stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der VO-Firmen (BVO), Berlin. Er war vorher lange Jahre Vorstandsmitglied und Ansprechpartner für die Region Süddeutschland im BVO. Der gelernte Landwirt und studierte Agraringenieur ist Geschäftsbereichsleiter Saatgut und Pflanzenschutz der Firma Beiselen GmbH in Ulm.

Der Bundesverband der VO-Firmen e.V. (BVO) vertritt bundesweit die Vermehrungs-Organisationsfirmen für die Bereiche Getreidesaatgut, Leguminosen, Feldsaaten und Öko-Saatgut.

Wie gut sind die Vermehrungen von Leguminosen gelungen?

Ruopp: Die Ernteerträge der Vermehrungen von Körnererbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Sojabohnen sind fast durchweg zufriedenstellend. Immer schwieriger wird es allerdings, Bohnen- und Erbsenbestände vom Käferbefall freizuhalten. Dies bereitet bei Konsumware, die im Lager behandelt werden kann, weniger Probleme. Bei Saatgut kann der Käferbefall allerdings Auswirkungen auf die Keimfähigkeit haben. Weil Behandlungsmöglichkeiten mit insektiziden Wirkstoffen im Bestand fehlen, wird die Vermehrung von Leguminosen immer mehr zu einer Gratwanderung.

Mit welcher Nachfrage nach Leguminosen rechnen Sie?

Ruopp: Die politische Diskussion zum Greening mit dem Verbot von Pflanzenschutz wird großen Einfluss auf die Nachfrage haben. Da politische Entscheidungen mitunter plötzlich verkündet werden, herrscht momentan eine eher vorsichtige Stimmung bei den Landwirten. Für 2017 ist eine entsprechende Vorschrift unwahrscheinlich. Bei der Vermehrungsplanung für die Ernte 2017 und Aussaat im Frühjahr 2018 ist jedoch Vorsicht geboten.

Der Zwischenfruchtanbau fürs Greening ist mit einer enormen Produktvielfalt gestartet. War das gefragt?

Ruopp: Die Anzahl der Mischungen und deren Zusammensetzung ist aus fachlicher Sicht nicht zu überblicken. Im Sinne der ökologischen Ausrichtung des Greenings ist die Verwendung von nichtheimischen Arten höchst fragwürdig. 2016 war durchaus festzustellen, dass die Vielfalt an Mischungen nicht zwingend notwendig ist. Die landwirtschaftlichen Betriebe haben festgestellt, dass man eine Greeningmaßnahme durchaus mit Mischungen durchführen kann, die aus heimischen oder adaptierten Komponenten bestehen.


Die Fragen stellte Brigitte Stein
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