Report Agritechnica

Die Spritze muss besser ausgelastet werden

Die exakte Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln liegt im ureigenen Interesse der Landwirte.
-- , Foto: Umweltbundesamt
Die exakte Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln liegt im ureigenen Interesse der Landwirte.

Begriffe wie Abstandsauflagen, Schutz von „Spaziergängern“ oder die Vermeidung von Punkteinträgen prägen immer mehr die Diskussionen, beobachtet Harald Kramer von der Landwirtschaftskammer (LWK) Nordrhein-Westfalen. Doch auch der Landwirt hat ein ureigenes Interesse daran, Pflanzenschutzmittel möglichst gezielt, exakt dosiert und nur in wirklich notwendigem Maße einzusetzen, bemerkt Kramer. Und genau an dieser Schnittstelle lassen sich auf der Agritechnica auch in diesem Jahr wieder interessante technische Lösungsansätze feststellen.

Große Volumina gefragt

Aufgrund des anhaltenden Trends zu immer mehr Schlagkraft behalten die großen Fassvolumina im Segment der gezogenen Technik weiterhin eine steigende Bedeutung. „Hier sind Behältergrößen von 10000 Liter und mehr keine Seltenheit mehr“, bemerkt Kramer. Doch auch im Anbausegment mit entsprechenden Fronttanksystemen gibt es herstellerübergreifend ebenfalls Möglichkeiten, um dem „kleinen Selbstfahrer“ mit großen Fassvolumina zu mehr Akzeptanz in der Praxis zu verhelfen.

„Jedoch dürfen hierbei die Anforderungen an den Traktor, beispielsweise bezüglich der Achslasten, nicht außer Acht gelassen werden“, so der Pflanzenschutzexperte. Auch neue Schädlinge, Sonderkulturen und Applikationen in hohen Kulturen haben den Trend in Richtung von Selbstfahrern bestätigt.

Über alle Spritzsysteme hinweg ist für Kramer ein Trend unübersehbar: Die Auslastung der Spritze kann und muss noch gesteigert werden. Hierbei stellen die elektronischen Hilfsmittel für ihn einen entscheidenden Faktor dar. Benötigt werden in der Praxis herstellerübergreifende, offene Lösungen, die eine termingerechte und präzise Applikation von Pflanzenschutzmitteln umsetzen.

„Die Befüllung der Feldspritze mit Pflanzenschutzmitteln stellt in vielen Fällen einen kritischen Punkt dar, wodurch die Umwelt und der Anwender nachhaltig belastet werden können“, bemerkt Kramer. Doch zukünftig gibt es geschlossene Befüllsysteme, die über entsprechende Adapter nahezu alle Gebindegrößen (inklusive Großgebinde) bedienen und die Pflanzenschutzmittel dosieren können. Die Genauigkeit wird über elektronische Durchflussmesser oder integrierte Messzylinder deutlich vereinfacht. „Neben den positiven Umweltaspekten werden hierbei durch den Verzicht der Nutzung einer Einspülschleuse auch potenzielle Spritzschäden in Nachfolgekulturen minimiert bis ausgeschlossen, da die Reinigung deutlich vereinfacht ist“, ist sich der Experte sicher.

Automatisierte Reinigungssysteme für die ganze Spritze bleiben weiterhin auf dem Vormarsch und unterstützen den Landwirt dabei, Rüstzeiten wie das Reinigen von Filtern und Schläuchen während der Spritzsaison zu vermeiden. Auch integrierte Intensivreinigungssysteme ermöglichen mittlerweile, den „Hochdruckreiniger-Einsatz“ für hartnäckige Rückstände im Spritzenfass im Feld durchzuführen. Sie leisten neben dem Nutzen für den Landwirt auch einen entscheidenden Beitrag zur Vermeidung von Punkteinträgen.

Injektordüse gute Wahl

Mit Blick auf die Wahl der Spritzdüsen gibt Kramer den Rat, nicht nur in puncto „Abdriftreduzierung“ zu optimieren und die biologische Wirkung dabei zu vergessen. Dies sei vor allem zu beachten, wenn an die immer stärker reduzierteren Wassermengen oder die steigenden Fahrgeschwindigkeiten gedacht wird.

„Hauptziel sollte doch sein, die Anwendungsqualität durch eine ausreichende Benetzung und bei Bedarf mit einer ausreichenden Bestandsdurchdringung abzusichern“, so Kramer. Aus heutiger Sicht gibt es für den Landwirt seiner Ansicht nach nur den Griff zur Injektordüse. Diese sichere die biologische Wirksamkeit und garantiere somit einen guten Ertrag, stelle aber auch gleichzeitig die Lösung für die meisten umweltrelevanten Auflagen dar. (Sz)
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