Report Düngemittel

Die Zeichen stehen auf Expansion


Bis November haben Landwirte im Einzugsgebiet der niedersächsischen Genossenschaft im Raum Uelzen nur 40 Prozent ihres Bedarfs gedeckt. Danach ist am Düngermarkt weder preislich noch umsatztechnisch viel passiert. „Die Liquidität auf den Höfen ist in
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Bis November haben Landwirte im Einzugsgebiet der niedersächsischen Genossenschaft im Raum Uelzen nur 40 Prozent ihres Bedarfs gedeckt. Danach ist am Düngermarkt weder preislich noch umsatztechnisch viel passiert. „Die Liquidität auf den Höfen ist in

Bis November haben Landwirte im Einzugsgebiet der niedersächsischen Genossenschaft im Raum Uelzen nur 40 Prozent ihres Bedarfs gedeckt. Danach ist am Düngermarkt weder preislich noch umsatztechnisch viel passiert. „Die Liquidität auf den Höfen ist in diesem Jahr einfach nicht so komfortabel“, erklärt Volker Bormann, Geschäftsführer der Vereinigte Saatzuchten Ebstorf-Rosche eG (VSE). Neben den niedrigeren Getreidepreisen im Vergleich zu anderen Jahren enttäuschten auch die Erlöse für Kartoffeln. Die Kunden sind sehr zögerlich und warten vor allem bei Düngemittel ab, ob die Kurse möglicherweise noch günstiger werden.



Volker Bormann (h.), Michael Porsch, Henning Perau, Ingelore Ramünke (v.) und Hartmut Ramünke freuen sich nach der Erweiterung der Düngerkapazitäten noch leistungsfähiger für ihre Landwirte sein zu können.
-- , Volker Bormann (h.), Michael Porsch, Henning Perau, Ingelore Ramünke (v.) und Hartmut Ramünke freuen sich nach der Erweiterung der Düngerkapazitäten noch leistungsfähiger für ihre Landwirte sein zu können.
Volker Bormann (h.), Michael Porsch, Henning Perau, Ingelore Ramünke (v.) und Hartmut Ramünke freuen sich nach der Erweiterung der Düngerkapazitäten noch leistungsfähiger für ihre Landwirte sein zu können.
Das genossenschaftliche Unternehmen im niedersächsischen Ebstorf betreut viele Kartoffelerzeuger. „Wir haben unser Einkaufsverhalten entsprechend angepasst, müssen dabei aber natürlich die Logistik im Auge behalten“, macht Ingelore Ramünke aufmerksam. Sie ist verantwortlich für Ein- und Verkauf, Abwicklung und Disposition von Düngemitteln im Unternehmen. „In diesem Frühjahr sind wir mit der rechtzeitigen Versorgung der Landwirte gefordert, und die Landwirte wollen in der Regel „just in time“ beliefert werden. Es gibt nur wenige Betriebe, die ihren Düngerbedarf selber lagern“, weiß die kompetente Kauffrau. Derzeit koordiniert sie unter anderem die Einlagerung von Stickstoffdüngern und Diammonphosphat (DAP), die über die Seehäfen ankommen. Alle anderen Produkte sind zu etwa 90 Prozent unter Dach und Fach, also vorkontrahiert.



Die Lage am Elbe-Seitenkanal ist für die Vereinigte Saatzuchten Ebstorf ein idealer Umschlagsplatz für Agrarerzeugnisse.
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Die Lage am Elbe-Seitenkanal ist für die Vereinigte Saatzuchten Ebstorf ein idealer Umschlagsplatz für Agrarerzeugnisse.
Die Ebstorfer verfügen über Lagerkapazitäten für feste und flüssige Dünger von knapp 33000 t. Und sie stocken auf: Im Sommer 2016 sollen neben einem zusätzlichen Getreidelager weitere 20000 t Lagerraum für Dünger im Uelzener Hafen am Elbe-Seiten-Kanal entstehen. 6,5 Mio. € nehmen sie in die Hand, um künftig über zusätzlichen Platz und neueste Technik verfügen zu können. Schließlich wollen die Genossen wettbewerbsfähig bleiben. Im Schnitt liegt die Betriebsgröße ihrer Kunden bei etwa 130 ha. Es sind aber auch Unternehmen mit bis zu 700 ha dabei. Hier handelt es sich dann häufig um Betriebsgemeinschaften. Insgesamt schlägt die Vereinigte Saatzuchten Ebstorf-Rosche jährlich etwa 55000 t Dünger um. Allein 45000 t entfallen auf Festdünger. Der Umsatz für diesen Betriebszweig beläuft sich auf rund 10,5 Mio. €.



Im Hauptgebäude in Ebstorf befindet sich die Verwaltung der Genossenschaft.
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Im Hauptgebäude in Ebstorf befindet sich die Verwaltung der Genossenschaft.
Mit elf Lagerstandorten befindet sich das Handelsunternehmen dicht am Kunden. 75 Prozent der Ware beziehen die Landwirte direkt aus einem der Läger. Den Rest liefern Spediteure frei Hof. Neben den klassischen Düngerarten beschäftigen sich die Ebstorfer auch mit Wirtschaftsdünger.

Gülletransport boomt

Gülletourismus ist im Uelzener Raum ein Wirtschaftsfaktor. „Um an diesen Warenströmen partizipieren zu können, bieten wir ebenfalls Hühnertrockenkot oder Gülle von Schwein und Rind an“, erklärt Ingelore Ramünke. Dieser Betriebszweig macht aber nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Zusätzlich verfügen die Niedersachsen über eine Düngermischanlage in Uelzen und drei Großflächenstreuer, die die Landwirte ausleihen können. Derzeit werden in Uelzen für die Landwirte im zweiten Jahr seit Inbetriebnahme rund 2500 t Dünger nach individuellen Wünschen gemischt. Mindestens die doppelte Menge ist das Ziel in den kommenden Jahren. Mit dem Neubau in Uelzen wird die Anzahl der Mischbehälter erweitert.


Klassisches Agrargeschäft ist Umsatzträger
Die Vereinigte Saatzuchten Ebstorf eG blickt auf eine fast hundertjährige Geschichte zurück. Ihre Wurzeln liegen in der Saatzucht. Heute betreibt sie das komplette klassische Agrargeschäft. Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit 250 ha und 1500 Mastschweineplätzen gehört zum Unternehmen. In den vergangenen Jahren lag der Umsatz der Genossenschaft bei rund 110 Mio. €. Die niedrigen Kartoffelpreise im vergangenen Jahr haben zum Rückgang auf knapp 94 Mio. € im Wirtschaftsjahr 2014/15 geführt. Umsatzträger ist mit 70 Prozent das Agrargeschäft. 20 Prozent entfallen auf Energie und 10 Prozent auf Technik und Einzelhandel. Rund 170 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehme, davon 14 Auszubildende. (dg)

Alleinstellung bei Cultan

Steckenpferd von Pflanzenbauberater Hartmut Ramünke ist die Cultan-Düngung (Controlled Uptake Long Term Ammonium Nutrition). Hier handelt es sich um die Platzierung von nitratfreiem Dünger direkt an die Pflanze. Das Depot wird mit einem Igelrad per Injektion im Boden abgelegt. Zum Einsatz kommt eine Harnstoffammonium-Sulfatlösung. Enthalten sind darin 20 Prozent Ammoniumstickstoff und 6 Prozent Schwefel. Die Pflanzenwurzeln „umwachsen“ die Depots und transportieren den Ammoniumstickstoff zu den oberen Pflanzenteilen. „Die Stickstoffaufnahme erfolgt bedarfsgerecht“, erklärt der Fachmann. Es gibt nach seinen Aussagen keine Verluste durch Auswaschung oder Denitrifikation (Ausgasung). Seit 2002 bietet die VSE dieses Verfahren an.


Die Fläche hat sich in ihrem Arbeitsgebiet in den vergangenen zehn Jahren auf gut 3000 ha etwa verzehnfacht. Besonders für Wasserschutzgebiete ist dieses umweltverträgliche Verfahren interessant. Das Land Niedersachsen bezuschusst den Einsatz in diesen Gebieten mit 34,00 €/ha. Im Raum Uelzen verfügt die VSE mit diesem Verfahren über ein Alleinstellungsmerkmal. „Auch wenn es preislich 15,00 bis 20,00 Euro je Hektar über den Granulatprodukten liegt, überwiegen die Vorteile“, ist Ramünke überzeugt. Die Pflanze wächst besser und ist von der Witterung unabhängiger. (dg)
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