Das Investitionsniveau der Jahre vor der Krise werde noch nicht erreicht, erklärte Ruckwied auf der gemeinsamen Veranstaltung der Landwirtschaftlichen Rentenbank und DBV. Außerdem konnten die Erlös- und Einkommensverluste der vergangenen zwei Jahre noch nicht aufgeholt werden, obwohl sich die Erzeugerpreise für Milch und Schweinefleisch deutlich verbesserten.

An der Tagung mit dem Thema „Perspektiven für die Landwirtschaft und das Agrarbanking“ nahmen über 180 Teilnehmer aus der Banken- und Agrarbranche teil. Die jährlich stattfindende Agrarfinanztagung ist das wichtigste Forum zum Meinungs- und Informationsaustausch zwischen Banken und Landwirtschaft.

Solider Partner Landwirtschaft
Im Vergleich zu anderen Branchen weist die Landwirtschaft für Banken hohe Sicherheiten auf und bleibt ein verlässlicher und solider Kunde. Das Sachkapital der deutschen Landwirtschaft ist nach Angaben des DBV aktuell zu 33 Prozent mit Fremdmitteln und zu 67 Prozent mit Eigenkapital finanziert. Nach dem Bundesbankbericht erreichte der Fremdkapitalbestand in der Landwirtschaft im Dezember 2016 mit 50,6 Milliarden Euro eine neue Rekordhöhe. Mit 498.000 Euro Kapital je Erwerbstätigen (ohne Boden) gehört die Landwirtschaft unverändert zu den kapitalintensivsten Branchen der deutschen Wirtschaft.

Steigendes Investitionsvolumen

„Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen steigt auf 4,6 Milliarden Euro, immerhin fast eine Milliarde Euro mehr als ein Jahr zuvor“, stellte der Bauernpräsident fest. Die wieder anziehende Investitionstätigkeit der deutschen Landwirtschaft habe deutliche Auswirkungen auf die Entwicklung der ländlichen Regionen und sichere zahlreiche Arbeitsplätze in der Landwirtschaft wie in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen.

Die Landwirtschaft entwickele sich rasant weiter, so dass manche Mitbürger sogar schon Skepsis gegenüber der Modernität der Branche hegten, konstatierte Rukwied. Doch die Umsetzung des technischen Fortschrittes sei für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe notwendig und für Umwelt- und Tierschutz sowie für Verbraucher von Vorteil. So würden die Tierhalter die Haltungsbedingungen ihrer Nutztiere durch praxistaugliche Innovationen kontinuierlich verbessern. Die Digitalisierung und Vernetzung würden Ackerbauern und Tierhalter als große Entwicklungschance für eine wettbewerbsfähige, ressourcenschonende und tierwohlfördernde Landwirtschaft betrachten.

Banken-Ansprechpartner vor Ort

Angesichts der zunehmenden Volatilitäten der Agrarmärkte müssten aber auch neue Wege im Risikomanagement beschritten werden. Landwirte wie Marktpartner seien bei Preisabsicherungen über Warenterminbörsen genauso gefordert wie die Politik bei der Schaffung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage, zeigte Rukwied aktuelle Herausforderungen auf.

Ebenso benötigten sie eine vertrauensvolle Begleitung durch die Agrarkreditwirtschaft einschließlich der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Der Anspruch sei, landwirtschaftliche Unternehmen in ihrem betrieblichen Entwicklungsprozess kompetent zu beraten und passgenau zu finanzieren. Der landwirtschaftliche Unternehmer benötige deshalb einen Ansprechpartner mit Beurteilungs- und Entscheidungskompetenzen vor Ort. Das ist nicht zuletzt als Apell an die Geldhäuser gegen den zunehmenden Filialschwund auf dem Lande zu sehen. (az)
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