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Technologie made in Germany – Uhde baut schlüsselfertige Düngemittelwerke

Agrarzeitung Ernährungsdienst 17. März 2007; Von Daphne Huber-Wagner , Frankfurt a.M.

In den Wüstenstaaten Katar, Saudi-Arabien und Ägypten tauchen riesige Ammoniak- und Harnstoffanlagen aus dem Nichts auf. Viele dieser Werke baut das Dortmunder Anlagenbauunternehmen Uhde. Über die Anlagentechnik und die Standortvorteile in diesen Ländern sprach die Agrarzeitung Ernährungsdienst mit Andreas Beckers, Leiter Unternehmenskommunikation der Uhde GmbH in Dortmund.

In den vergangenen zehn Jahren hat Uhde Aufträge für den Bau von Düngemittelanlagen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 8 Mio. t/Jahr erhalten. Weltweit wurden seit Gründung des Unternehmens vor über 80 Jahren schon 360 Anlagen für Einzel-, Misch- und Komplexdünger gebaut. Anfang der 1920er Jahre hatte Firmengründer Friedrich Uhde parallel zum Haber-Bosch-Verfahren eine eigene Ammoniak-Synthese entwickelt und 1925 seine erste Anlage mit einer Produktionskapazität von 100 t Ammoniak pro Tag gebaut. „Zahlreiche technologische Entwicklungen sind seitdem in das Verfahren eingeflossen, die Uhde heute zu einem der ersten Adressen in Sachen Düngemittelanlagen macht“, beschreibt Andreas Beckers, Leiter Unternehmenskommunikation, den Werdegang des weltweit führenden Anlageunternehmens.

Und die Werke funktionieren immer noch nach dem Reaktionsprinzip, das auch dem Gründer einst Modell für seine erste Anlage gestanden hat. Nur der Kundenkreis hat sich auf viele Länder erweitert. So ist beispielsweise Anfang 2007 im saudi-arabischen Al Jubail die weltweit größte einsträngige Ammoniakanlage in Betrieb gegangen. 3.300 t/Tag produziert sie aus Luftstickstoff und dem im Erdgas enthaltenen Wasserstoff.

„Wir zählen uns zu den technologieorientierten Anlagebauunternehmen“, sagt Unternehmenssprecher Beckers. Dabei werden sowohl eigene Verfahren als auch Prozesstechnologien fremder Technologiegeber, also Lizenzgeber, erfolgreich umgesetzt. „Dadurch haben unsere Kunden die Möglichkeit, Technologien in ihren Anlagen einzusetzen, die wirklich state-of-the-art sind“, so Beckers.

Anlagenbau für Biodiesel in Thailand

Beispielsweise baut Uhde zurzeit eine Anlage für 200.000 t Biodiesel im Jahr in Thailand. Dabei wird das Verfahren der deutschen AT Agrar-Technik aus Stuttgart angewendet. Oder es gibt Kunden wie die Degussa AG, die zwar das Dortmunder Unternehmen beauftragt hat, ein neues Werk in Antwerpen zu bauen, allerdings ihre eigenen Technologien für die Herstellung des Futterzusatzstoffes Methionin einsetzt. Die Produktionskapazitäten von Industrieanlagen wachsen ständig und mit ihnen der Anspruch nach modernster Technik, exzellenter Qualität und kürzesten Realisierungszeiten bei neuen Investitionsprojekten. Viel Erfahrung und eine weitreichende Koordination und Logistik sind notwendig, damit die Ausrüstungen zur richtigen Zeit auf der Baustelle eintreffen. Das Uhde-Leistungsspektrum reicht von der ersten Projektstudie über die Finanzierung bis hin zum Betrieb der schlüsselfertigen Anlage.

Seit Gründung baut das Unternehmen auf den Leitspruch: „Engineering with ideas.“ Denn wie die Wurzeln des Unternehmens mit der Innovationsfähigkeit seines Firmengründers Friedrich Uhde verbunden sind, so ist der über 80 Jahre andauernde Erfolg Uhdes heute vor allem mit dem Erfindungsreichtum seiner Mitarbeiter verknüpft.

Investoren wollen hohe Wertschöpfung

Die größten Aufträge haben heute oft einen Umfang von mehr als 500 Mio. €. Sie kommen aus den Regionen, in denen Erdgas günstig und in großen Mengen vorhanden ist. Dass die Länder rund um den arabischen Golf für den deutschen Anlagenbauer zu den wichtigsten Märkten gehören, ist wenig verwunderlich. Hinter den Bauherren stecken zumeist staatliche Öl-, Gas- oder Petrochemiekonzerne, Investorengruppen oder vereinzelt betuchte Privatunternehmen. Dabei verfolgen sie kontinuierlich das Ziel einer höheren lokalen Wertschöpfung, das heißt, die Stärkung ihrer Wirtschaftskraft durch Veredelung von Erdgas und Erdöl zu hochwertigen Chemie- und Petrochemieprodukten.

Auch Länder Nordafrikas, speziell Ägypten, zielen in diese Richtung. Schon seit mehreren Jahren investiert die ägyptische Düngemittelindustrie massiv in den Ausbau ihrer Kapazitäten, wovon Uhde nachhaltig profitiert. Allerdings wird auch auf die Infrastruktur im eigenen Land geachtet. So enthalten die Bauverträge Klauseln, dass beipielsweise rund 30 Prozent der Auftragssumme lokal erbracht werden muss. Zum größten Teil wird dies durch ansässige Bau- und Montageunternehmen geleistet. Beim Bau einer Düngemittelanlage im Emirat Katar waren zeitweise mehr als 4.000 Menschen aus 30 Nationen am Bau eines solchen Komplexes beschäftigt.

Die immensen Fortschritte von technischen Neuerungen in immer kürzeren Zeiträumen macht es möglich, dass die Düngemittelanlagen immer größer werden. Zum Vergleich: Der im Jahr 1997 gebaute Harnstoffreaktor für das Qafco-3-Werk in Katar brachte eine Tagesleistung von 2.000 t Harnstoff. Schon der Erweiterungsbau Qafco.4 wurde für rund 60 Prozent mehr, nämlich 3.200 t Harnstoff am Tag ausgelegt. Im Juni 2004 wurde dieser neue Düngemittelkomplex an die Qatar Fertiliser Co. in Mesaieed, Katar, übergeben. Jetzt baut Uhde die fünfte Annexanlage. Im arabischen Al Jubai ist vor wenigen Monaten einer der größten Düngemittelkomplexe der Welt für die Saudi Arabian Fertilizer Company (SAFCO) in Betrieb genommen worden.

Hartes Granulat übersteht Transport

In der eigenen Landwirtschaft werden die riesigen Mengen Dünger nur in geringem Umfang eingesetzt. Der Großteil der Produktion ist für den Export bestimmt. Das Harnstoff-Granulat aus den Uhde-Anlagen ist von hoher Qualität und eignet sich hervorragend als Exportware, weil es eine hohe Härte aufweist und daher perfekt für den Transport nach Übersee geeignet ist. Nur Ägypten passt nicht in dieses Schema. Das Land unter Staatspräsident Hosni Mubarak erblüht zum Gemüsegarten mit großflächigem Anbau von Erdbeeren und Kartoffeln, die nach Europa und in die USA exportiert werden. „Ägypten hat in den vergangenen zehn Jahren erheblich in seine Düngemittelindustrie investiert. Darunter sind zahlreiche Anlagen, die ihre Produkte exportieren“, meint Beckers. Bereits vier Aufträge über nahezu identische Düngemittelanlagen konnte Uhde innerhalb der vergangenen zwei Jahre hier akquirieren. Die ägyptischen Unternehmen Misr Oil Processing Co., Helwan Fertilizer Co., Egyptian Fertilizer Co. und Alexandria Fertilizers Co erteilten Uhde Aufträge für Ammoniak-/Harnstoffanlagen in Damietta, Helwan, Suez und Alexandria.

Noch ist das Interesse von Investoren und Unternehmen an neuen Harnstoffanlagen ungebrochen. Doch werden zukünftig neue Anlagen nicht in der bisherigen Geschwindigkeit dazukommen. Beckers bleibt dennoch zuversichtlich, denn viele Anlagen weltweit, die in die Jahre gekommen sind, müssen in absehbarer Zeit modernisiert, erweitert oder ersetzt werden. Beckers übersetzt den internationalen Terminus „revamp“ in eine Erweiterung oder das „debottlenecking“ als Flaschenhalsprinzip. Für diese Aufträge erstellt Uhde passende Wirtschaftlichkeitsanalysen – wie eben der Flaschenhals, also die Stelle in der Anlage, die einen Kapazitätsausbau verhindert, beseitigt werden kann und somit einer Erweiterung nichts im Wege steht.

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