Finanzen-Serie Bodenmarkt

"Die wichtigsten Faktoren für Preise?"

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az: Wie sehen Sie die künftige Preisentwicklung am Bodenmarkt in Deutschland?

Hennig: Die Entwicklungen der vergangenen Jahre erwecken den Eindruck, dass Bodenpreise nur den Trend nach oben kennen. Vor allem das niedrige Zinsniveau, der zwischenzeitliche Boom der Agrarpreise in den Jahren 2007/2008 und die damals vermeintlich langfristig hohen Gewinnerwartungen haben die Nachfrage nach Flächen stark
Die Serie
Die Finanzen-Serie Bodenmarkt gibt Lesern einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem Bodenmarkt und lässt Experten die wichtigsten Fragen beantworten. Sie erscheint in loser Folge.

Mehr Teile, mehr Fragen und vor allem mehr Antworten:

"Steigen die Preise weiter?"
Dr. Rüdiger Fuhrmann, Abteilungsleiter Agrar-Banking der Nord/LB Norddeutsche Landesbank, gibt Antworten.

"Wirken Gesetze gegen hohe Preise?"

Matthias Schicke, Mitglied der Direktion des Ritterschaftlichen Kreditinstitut Stade (RKI), weiß Auskunft.
befeuert und damit einen deutlichen Preisanstieg auf den Bodenmärkten ausgelöst. Im Falle einer andauernden Phase mit niedrigen Getreide-, Milch- und Schweinepreisen oder steigenden Zinsen ist es allerdings durchaus denkbar, dass das Preisniveau auf den Bodenmärkten absinkt.

Entwickeln sich die Bodenpreise in West- und Ostdeutschland unterschiedlich?

Hennig: Trotz höherer Wachstumsraten der Bodenpreise in den ostdeutschen Bundesländern liegt das absolute Preisniveau immer noch deutlich unter den durchschnittlichen Kaufpreisen landwirtschaftlicher Flächen in den westdeutschen Bundesländern. Die amtliche Statistik zeigt aber auch, dass es innerhalb Ost- und Westdeutschlands große Preisunterschiede gibt und Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern 2015 mit rund 20.000 €/ha im Durchschnitt beispielsweise etwa doppelt so viel für den Flächenzukauf aufwenden mussten als saarländische Betriebe. Hieran ist erkennbar, dass Bodenpreise maßgeblich von den regionalen Begebenheiten bestimmt werden und die Differenzierung zwischen Ost und West zunächst nachrangig ist.

Was sind die wichtigsten Faktoren, die sich auf die Preise auswirken?

Hennig: Neben der Ertragsfähigkeit der Flächen und den langfristigen Preiserwartungen für die erzeugten Agrarprodukte spielt für das Niveau der Bodenpreise vor allem das Zinsniveau und die regionale Wettbewerbsintensität eine tragende Rolle. Eine hohe Wettbewerbsintensität herrscht insbesondere in Regionen mit hoher Vieh-, Biogas- und Bevölkerungsdichte vor, wo die Wertschöpfung je Hektar relativ groß und das Angebot auf dem Bodenmarkt relativ knapp ist.
Die Expertin
Solveigh Hennig ist Wissenschaftlerin am Institut für Agrarökonomie der Universität Kiel. Sie hat vor Kurzem ihre Doktorarbeit zum Einfluss agrar- und energiepolitischer Förderprogramme auf landwirtschaftliche Boden- und Pachtpreise abgeschlossen. Für die agrarzeitung hat sie wichtige Fragen zum Thema Bodenmarkt beantwortet.

In Regionen mit gleichzeitig hoher Dichte der Veredelungs- und Biogasproduktion wird aktuell die neue Düngeverordnung vermutlich zu einer weiteren Stimulierung der Flächennachfrage führen und die Preise weiter in die Höhe treiben. Aber auch andere gesetzliche Rahmenbedingungen wie beispielsweise die steuerlichen Vorteile einer Reinvestition von Veräußerungsgewinnen nach §6b EStG oder die de facto flächengebundenen Direktzahlungen sind für hohe Bodenpreise mitverantwortlich.

Kann ein Agrarstrukturgesetz zu dem gewünschten Ziel führen, den Preisanstieg am Bodenmarkt einzudämmen?

Hennig: Ganz allgemein können gesetzliche Regelungen, die die Nachfrage nach Boden senken, auch ein Absinken der Bodenpreise bewirken. Wenn also z.B. ein Teil der Nachfrager vom Flächenerwerb ausgeschlossen wird, kann dies tendenziell zu einer Entspannung auf lokalen Bodenmärkten beitragen. Allerdings ändern die aktuell diskutierten Maßnahmen kaum etwas an den wesentlichen Ursachen steigender Bodenpreise und konkret gibt es auch noch Definitions- und Abgrenzungsprobleme. Wird ein Betrieb z.B. aufgrund seiner lokalen Marktbeherrschung an weiteren Käufen in seiner Heimatgemarkung gehindert, wird er verstärkt in benachbarten Gemarkungen nachfragen. Der Preis dort würde also eher stimuliert. (got)
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