Report Smart Farming

Digitale Lösungen müssen praxisnah sein


Harmonische Verbindung von Stadt und Land: Moderne Technik kann zur Umsetzung dieser Vision beitragen.
-- , Grafik: GEA
Harmonische Verbindung von Stadt und Land: Moderne Technik kann zur Umsetzung dieser Vision beitragen.

Es klingt verheißungsvoll – die nächste Etappe der industriellen Revolution ist angelaufen. So zumindest klingt es aus den Unternehmen der Informationstechnologie (IT). Und auch oder sogar ganz besonders die Landwirtschaft soll darin eine bedeutende Rolle spielen. Die dritte Welle der IT soll jede Branche erfassen und die Grenzen des Wettbewerbs neu definieren, heißt es aus Kreisen der entsprechenden Branchenexperten. Mit der „Industrie 4.0“ soll eine neue Ära beginnen, vergleichbar mit der Mechanisierung durch die Dampfmaschine Ende des 18. Jahrhunderts. Noch ist diese industrielle Revolution erst in Umrissen erkennbar. Ihr Hauptkennzeichen soll die „Vernetzung der Systeme“ sein. Einzellösungen zur Datenerfassung und -verarbeitung sind in nahezu allen Bereichen der Industrie, aber auch der Landwirtschaft bereits Stand der Technik.

Prozesse kombinieren

Doch deren Zusammenführung soll nun den nächsten Sprung der Prozessoptimierung in allen Branchen ermöglichen. Verbreitet ist eine gewisse Unsicherheit in der Beurteilung dieser sogenannten „Dritten Welle“ der Informationstechnologie. Doch schauen wir zurück, so wird rasch deutlich, dass auch in der Vergangenheit die Informationstechnologie grundlegende Veränderungen hervorgerufen hat. Sie sind Bestandteil des betrieblichen, aber auch des privaten Alltags geworden und werden heute nicht mehr infrage gestellt. Denn auch die durch sie ausgelösten Veränderungen in Produktion, Verarbeitung, Handel und Vertrieb der Waren führten vielfach zu Strukturen, die andere, frühere Formen auf einmal nicht mehr vorstellbar erscheinen lassen. Auch diese heute praktizierten Methoden und Techniken wurden zumindest zu Beginn von vielen sicher mit Skepsis beurteilt. „Smart Farming“ heißt nun die neue Parole für die Landwirtschaft. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Er umfasst die Vision einer so weit wie möglich vernetzten Datenwelt aus den verschiedenen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion. Auf dem Weg dahin ist zumindest der Einzelbetrieb bereits ein großes Stück vorangegangen. Auch und besonders in der Tierhaltung kommt eine Vielzahl technischer Anwendungen zum Einsatz, die dem Betrieb zum einen das Leben erleichtern, zum anderen aber auch die wirtschaftliche Zukunft sichern sollen. Dass damit weiteres Größenwachstum der Einzelbetriebe einhergehen wird, kann als sicher gelten. Dieser Entwicklung darf sich auch die Politik nicht verschließen. Nur effiziente Strukturen sind Basis für nachhaltiges Wirtschaften.

Welt im Blick

Eine starke Beschleunigung der Entwicklung zum Smart Farming stellte eine Entscheidung des Agrarkonzerns Monsanto im Oktober 2013 dar. Für rund 1 Mrd. US-Dollar übernahm der Saatgut- und Pflanzenschutzspezialist das im Jahr 2006 gegründete und auf die Erfassung von Wetterdaten und daraus abgeleiteten Prognosen spezialisierte Unternehmen Climate Corporation in den USA.

Innovation für die Welt

Dieser junge, von ehemaligen Mitarbeitern des Internetkonzerns Google gestartete neuartige Dienst verspricht präzise Vorhersagen für eng begrenzte Standorte. Als global operierender Konzern hat Monsanto dabei selbstverständlich die ganze Welt im Blick. Dies führte zu Aufbruchstimmung auch in anderen Ländern. Neue Unternehmen mit kreativen Ideen tauchen in der Agrarwirtschaft auf. Es wird sich lohnen, sich mit ihnen kritisch zu beschäftigen. Auch zeigen sie sich offen für weitere Vorschläge. Doch Maß aller Dinge bleiben die Erfordernisse der Praxis. Sie muss den Nutzen erkennen. (jst)
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