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Zu einem innenpolitischen Skandal habe in Ungarn der Inhalt einer Studie über die Ansiedlung holländischer Landwirte geführt, schreibt die ungarische Zeitung "Pester Lloyd". Die durch das Agrarministerium des Balkanlandes finanzierte Studie sei so gut gelungen, heißt es sarkastisch, dass man nicht nur die allgemeine Lage der ungarischen und holländischen Landwirtschaft analysierte, sondern auch gleichzeitig ein Drehbuch erstellte, wie sich für abwanderungswillige holländische Bauern in Ungarn eine neue Heimstatt schaffen lasse.
Ferenc Deak, Generalsekretär des Ungarischen Bauernverbandes, verlangte die Aufstellung einer parlamentarischen Sonderkommission. Attila Bank, Fraktionschef der mitregierenden Partei der Kleinlandwirte (FKGP), dementierte, dass die Ansiedlung von holländischen Landwirten im Vorstand der FKGP behandelt worden sei. Der ungarische Landwirtschaftsminister ist Mitglied der FKGP.
Die Studie beschreibt detailliert, wie die Regierung die Ansiedlung holländischer Bauern organisieren solle. Wie es in einem Kommentar des "Pester Lloyd" heißt, fehle es den jahrzehntelang von realen Marktverhältnissen entwöhnten ungarischen Landwirten an präzisen Kenntnissen und an jener Arbeitsdisziplin, mit der die Äcker im westlichen Teil Europas bestellt würden. In den Dörfern und auf den Feldern, wo man immer häufiger holländische oder deutsche Laute vernehme, genüge ein Blick, um den Unterschied zwischen ungarischem und ausländischem Eigentum zu erkennen. Die holländischen, österreichischen oder deutschen Bauern kauften immer mehr Gehöfte, bemerkt das Blatt abschließend. Immer häufiger sehe man auch in ländlichen Bau- und Gartenmärkten das Schild: Deutsch sprechende Verkäufer gesucht. (Bm)
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