az-Länderserie Niederlande

Drehscheibe für Agrarrohstoffe, Blumen und Gemüse


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Aufgrund der geringen Flächenausstattung haben sich die niederländischen Landwirte hoch spezialisiert und sich auf Veredelungswirtschaft, Gemüse und Blumen fokussiert. Den eigenen Bedarf in der Veredelung kann das Land aber nicht selber decken. So treten die Niederlande als Importeur von Futtermitteln am globalen Markt auf, aber auch andere Getreideprodukte müssen eingeführt werden. Gartenbau und Viehwirtschaft umfassen zusammen nahezu drei Viertel der niederländischen Produktion. Tulpen und Käse aus Holland sind zu Markenzeichen weltweit geworden. Über den Flughafen Schiphol bei Amsterdam werden beispielsweise Schnittblumen in alle Welt exportiert.

Das Land ist klein, die Flächen begrenzt – daraus haben die niederländischen Landwirte das Beste gemacht und sich spezialisiert. Gut die Hälfte der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt: Auf einem Drittel wird Ackerbau betrieben und auf knapp einem Viertel herrscht Grünlandwirtschaft vor. Die Bodengüte ist vor allem in den Küstenregionen sehr hoch. Auf den fruchtbaren Marschböden gedeihen Kartoffeln, Zuckerrüben und Weizen gut. Die Erträge sind sehr hoch, dennoch reicht es bei Getreide nicht zur Selbstversorgung. Rund 72000 Agrarbetriebe gibt es in den Niederlanden, die durchschnittlich 26ha bewirtschaften. Nur 3 Prozent verfügen über 100ha und mehr an Fläche. Mittlerweile ist aber aufgrund des Strukturwandels eine Tendenz hin zu landwirtschaftlichen Betrieben erkennbar, die mehr als 50ha bewirtschaften.

Gut die Hälfte der Betriebe betreibt Futterbau für die Milchwirtschaft und Rindermast, 15 Prozent sind reine Ackerbaubetriebe und eine ebenso große Anzahl hat sich dem Gartenbau verschrieben. Die niederländische Rindfleischerzeugung stagniert seit der BSE-Krise Mitte der 1990er Jahre bei etwa 360000t pro Jahr. Da der Selbstversorgungsgrad bei 110 Prozent liegt, wird der Rest exportiert – vor allem nach Deutschland, Frankreich und Italien. Schweinefleisch ist mengenmäßig die wichtigste Fleischart. Der Selbstversorgungsgrad beträgt 145 Prozent. Exportiert wird insbesondere nach Deutschland, ins Vereinigte Königreich, Italien und Griechenland. Die Geflügelerzeugung ist mit einem Selbstversorgungsgrad von 378 Prozent auf den Export ausgerichtet. Hauptabnehmer sind Großbritannien und Deutschland. Aufgrund der hohen Viehbesatzdichte macht die Gülleentsorgung den Niederländern zunehmend zu schaffen und es findet ein reger Grenzverkehr mit Deutschland statt. Mit einer engeren Verzahnung von Viehhaltung, Dungverwertung und Energieproduktion wollen die Niederlande die Probleme ihrer intensiven Landwirtschaft angehen. Schon heute liefern Gewächshäuser über Kraft-Wärme-Kopplung mehr Energie, als sie verbrauchen.

Der Gartenbau ist ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig der niederländischen Landwirtschaft. Auf 10000ha wird unter Glas angebaut. Damit sind die Niederlande weltweit Nummer 1. Der Gesamtumsatz dieses Sektors beträgt knapp 10Mrd.€. Der Weltmarktanteil liegt beispielsweise für Zierblumen bei 50 Prozent und für Blumenzwiebeln sogar bei 80 Prozent. Auch das größte Auktionshaus der Welt für Blumen befindet sich in den Niederlanden. Täglich werden dort 34,5 Millionen Blumen versteigert. Eine ausgefeilte Logistik bringt die Produkte an nahezu jeden Ort weltweit. Darüber hinaus ist der Gemüsebau von großer Bedeutung. Wertmäßig sind die Niederlande der größte Gemüseexporteur global. So kommt ein Viertel aller weltweit exportierten Tomaten aus Holland. (AW)



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