Tierhaltung

Drei Herzen für Tiere

Dänemarks Umweltminister Esben Lunde Larsen (Mitte) bei der Lancierung des Siegels am vergangenen Mittwoch im MENY-Supermarkt in Kopenhagen
-- , Foto: DFLE
Dänemarks Umweltminister Esben Lunde Larsen (Mitte) bei der Lancierung des Siegels am vergangenen Mittwoch im MENY-Supermarkt in Kopenhagen
Die beiden Supermärkte Meny und Føtex Food (mit Edeka vergleichbar) in Kopenhagen machen den Anfang. Sie führten am Mittwoch vergangener Woche das neue staatliche Tierwohlsiegel ein. Die grünen Herzchen von Bedre Dyrevelfærd (Besseres Tierwohl) zeigen dem Verbraucher, was Tierhalter zusätzlich zu den gesetzlichen Anforderungen im Stall leisten. Das Siegel gilt zunächst nur für Schweinefleisch.

Der Schlachtkonzern Danish Crown (DC) zahlt je nach Stufe einen Bonus bis zu 56 Cent/Kg Schlachtgewicht. Bio-Erzeuger erhalten mehr. 250 Erzeuger würden bereits an dem Programm teilnehmen. Das entspricht einem Anteil von knapp 10 Prozent der schweinefleischerzeugenden Genossen bei Danish Crown. Zum Volumen konnten noch keine Angaben gemacht werden.

Staaliches Programm kurbelt Investitionen an

Derzeit passiere in der Schweinehaltung sehr viel, erklärt Kirsten Vernon Kristiansen vom Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft (DFLE). Unter anderem sorge ein staatliches Programm dafür, dass Schweinehalter wieder vermehrt in die Mast investierten. Dieser Sanierungszuschuss deckt bis zu 20 Prozent der Kosten für die Ställe ab. Das sei ein Grund, warum viele Produzenten Interesse hätten, bei Bedre Dyrevelfærd mitzumachen, so Kristiansen.

Von deutscher Seite wird die Initiative höchst interessiert beobachtet. Schließlich steht auch in Deutschland demnächst die Einführung eines staatlichen Tierwohllabels an. „Man muss schauen, wie sich das Produkt tatsächlich am Markt entwickelt“, sagt Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Denn die Erfahrung zeige, dass die Verbrauchermeinung und das Verhalten an der Kasse weit auseinanderlägen. Die Erzeuger bräuchten Planungssicherheit, bevor sie sich dafür entscheiden würden, in einen neuen Stall zu investieren. Ob die staatlichen Zuschüsse dafür reichen, zweifelt er an.

Nur sechs Prozen kaufen Tierwohl ein

Bislang enthalten Fleischverpackungen kaum Angaben zu den Haltungsbedingungen. Nach einer Umfrage des DFLE wünschen sich aber zwei von drei Verbrauchern Informationen über die Haltung und den Tierschutz. In einer weiteren Umfrage gaben aber nur 6 Prozent von knapp 3000 Befragten an, dass Tierwohl bei dem gerade getätigten Einkauf eine Rolle gespielt habe.

Dessen ungeachtet scheint es bei den dänischen Erzeugern insgesamt aufwärtszugehen. Das dänische Agrarforschungszentrum Seges sagt voraus, dass ein Schweinehalter 2017 im Schnitt mit einem Gewinn vor Steuern von 188000 € rechnen kann. In den beiden Jahren zuvor mussten die Betriebe noch Verluste von rund 67000 € hinnehmen. (kbo)
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