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Nahrungsmittelhersteller wollen Förderung politisch kippen

Agrarzeitung Ernährungsdienst 3. November 2007; Von Gerwin Klinger, Berlin

Die Getreide verarbeitende Nahrungsmittelindustrie will die staatliche Förderung der Bioenergie nicht länger hinnehmen. Die Branche strebt in energiepolitischen Fragen nach mehr Einfluss.

„Der Butterpreis war erst der Anfang“, versicherte Rolf Brack, Vizevorsitzender des Verbandes Deutscher Mühlen, am Mittwoch in Berlin. Wie zahlreiche andere Lebensmittelhersteller kritisierte Brack während des Rohstoffkongresses der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) die preistreibenden politischen Vorgaben zur Bioenergie. So verlangte Walter Rau vom Verband der Deutschen Margarineindustrie, die Förderung der Biokraftstoffe der ersten Generation müsse „sofort beendet werden“. Volle Unterstützung erhielt Rau dafür von Vertretern der Getreidemühlen und Braubranche. Deutlich weniger Engagement gegen die derzeitige politische Lage zeigten in Berlin die Vertreter der Ölmühlen und der Zuckerindustrie: Beide Branchen wollen mit Nahrungsmitteln und Bioenergie Geld verdienen.

So erläuterte Südzucker-Vorstand Dr. Markwart Kunz, dass in der EU nur 2 Prozent der Getreideernte zu Bioethanol verarbeite würden. Dr. Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, fasste seine Sicht auf die Entwicklung der Rohstoffpreise knapp zusammen: „Es macht wieder Spaß, Ackerbau zu betreiben.“ Der DBV-Generalsekretär sprach sich dafür aus, „Biokraftstoffe im Gleitflug an die Märkte heranzuführen“. Auch die Landwirtschaft müsse sich bewegen: Die Agrarmärkte zu öffnen und gleichzeitig Schutzzäune für die Bioenergie einzurichten funktioniere auf Dauer nicht, stellte Born klar.

So lange, bis sich der politische Trend von selbst dreht und Bioenergie unter marktwirtschaftlichen Bedingungen produziert wird, will der BVE nicht abwarten: Künftig möchte die Interessenvertretung an den Energiegipfeln im Bundeskanzleramt teilnehmen.
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