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Bestmeat die Nummer 1 in Deutschland – Konzentration großer Betriebe im Nordwesten

Agrarzeitung Ernährungsdienst 6. November 2004; Von Steffen Bach, Osnabrück

Die Schlachtbranche in Deutschland wird sich in den kommenden Jahren deutlich verändern. Kleinere Einheiten, die weniger als eine Million Schweine im Jahr schlachten, werden es schwer haben, sich zu behaupten.

Seitdem Moksel und Nordfleisch von der Bestmeat übernommen wurden, ist der niederländische Fleischkonzern das mit Abstand größte Schlachtunternehmen in Deutschland und die Nummer 2 in Europa. In der Branche ist man davon überzeugt, dass die Best8meat an weiteren Übernahmen interessiert ist. Als mögliche Kandidatin für die nächste Fusion wird die Südfleisch genannt. Bekannt ist, dass die Südfleisch, die in den vergangenen Jahren immer wieder mit roten Zahlen zu kämpfen hatte, im In- und Ausland nach einem Partner sucht. Eine Übernahme der Südfleisch durch Bestmeat hätte einen pikanten Aspekt, denn eine Fusion von Südfleisch und Moksel war schon einmal geplant, aber am Widerstand der Kartellbehörden gescheitert.

Gesucht und gefunden

Gesucht und gefunden haben sich im Westen Barfuss und die Westfleisch. Mit dem Zusammenschluss entstand der zweitgrößte Fleischverarbeiter Deutschlands. Mit rund 5,5 Millionen Schweineschlachtungen im Jahr ist das Unternehmen allerdings weit von der europäischen Nummer 1, Danish Crown, entfernt. Um im internationalen Geschäft mithalten zu können, sind nach der Meinung von Branchenbeobachtern deutlich größere Einheiten als bisher notwendig.

Zurzeit gibt es in Deutschland nach einer Erhebung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Nordwestdeutschland (ISN), Damme, 217 Schlachtbetriebe mit über 20 Angestellten (siehe Übersicht). Die zehn größten Unternehmen haben dabei einen Anteil von rund 70 Prozent. Vor allem bei den kleineren Einheiten wird in den kommenden Jahren mit einem beschleunigten Strukturwandel gerechnet. „Die kleinen Unternehmen mit bis zu 15.000 Schlachtungen pro Woche werden es sehr schwer haben“, prophezeit der Geschäftsführer eines großen Schlachthofes.

Strukturwandel beschleunigt

Die kleinen Schlachthöfe konnten sich bisher vor allem in Süddeutschland behaupten. Die großen Schlachthöfe sind dagegen vor allem im Nordwesten entstanden, wo sich auch die Schweineproduktion konzentriert. Sieben der zehn größten Schlachtbetriebe haben ihren Sitz in Niedersachsen und Westfalen – und auch Bestmeat ist im Norden mit der ehemaligen NFZ stark vertreten. Doch nicht nur in der Größe, auch in der inneren Struktur gibt es deutliche Unterschiede. D & S schlachtet rund 2,3 Millionen Schweine in einem einzigen Schlachthof in Essen, Tönnies die doppelte Menge an drei Standorten in Rheda-Wiedenbrück, Weißenfels und Sögel. Die Westfleisch hat sechs Schlachtstätten für 5,5 Mio. Schweine und die Südfleisch verfügt noch über zehn Schlachtstellen, in denen 1,9 Millionen Schweine geschlachtet werden. In Deutschland geht man davon aus, dass in einem Schlachthof mindestens eine Million Schweine pro Jahr verarbeiten werden müssen, um mittelfristig wettbewerbsfähig zu sein. Bei unseren Nachbarn gelten diese Größenordnungen nicht mehr. Danish Crown benötigt für gut 20 Millionen Schweine 13 Schlachthöfe. Mit dem neuen Schlachthof in Horsens/Jütland stößt die weltweite Nummer 1 für Europa in neue Dimensionen vor. Dort sollen künftig bis zu 3,9 Millionen Schweine pro Jahr geschlachtet werden.

Wachsen durch kleine Übernahmen

Für die deutschen Unternehmen ist es nahezu unmöglich, ähnliche Ausmaße zu erreichen wie Danish Crown und Bestmeat. Im Nordwesten würden es Westfleisch, Tönnies, D & S und Gausepohl zwar auf fast 15 Millionen Schweineschlachtungen pro Jahr bringen, doch Chancen für eine solche Fusion bestehen wegen der unterschiedlichen Unternehmensstrukturen und -philosophien nicht. Am ehesten denkbar wäre eine Kooperation zwischen D&S und Tönnies, denn die Geschäftsführer Clemens Tönnies und Herbert Dreckmann waren bis 1989 schon einmal Partner, ehe sich ihre Wege trennten.

Wahrscheinlicher ist es aber, dass jeder versucht, für sich zu wachsen und dabei noch der eine oder andere kleine Mitbewerber geschluckt wird. Diese Strategie verfolgte bisher Tönnies, der innerhalb der vergangenen 30 Jahre das größte private Fleischunternehmen Deutschlands aufbaute. Das Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück wurde kontinuierlich ausgebaut. Nach der Wiedervereinigung entstand in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) ein weiterer großer Schlachthof. 1998 wurde von der BFW Fleisch der Schlachthof in Sögel übernommen. In diesem Jahr will Tönnies den Umsatz weiter steigern und bis zu 7 Millionen Schweine schlachten.

Marktbeobachter rechnen damit, dass mittelfristig ein Oligopol von deutlich weniger als zehn Unternehmen entstehen wird, das den deutschen Markt nahezu vollständig beherrscht. Doch auch die Großen sind nicht vor Übernahmen sicher, wie die Beispiele Moksel und NFZ zeigen. Für die internationale Konkurrenz ist Deutschland immer noch der interessanteste Markt in Europa.

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