Zusammenschluss

DuPont muss im Pflanzenschutz abgeben

Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager begründet die hohen Auflagen damit, dass nur so gewährleistet sei, dass der Preiswettbewerb für bestehende Pflanzenschutzmittel und die Forschungsaktivitäten für innovative Substanzen erhalten bleiben. Im Saatgutsektor knüpft die EU-Behörde dagegen keinerlei Auflagen an den Zusammenschluss.

Käufer gesucht

Agrargewichte
Beide Konzerne verfügen über bedeutende Agrarsparten. Bei DuPont hat das Agrargeschäft 2016 einen Umsatz von 9,5 Mrd. US-$ erzielt. Etwa 70 Prozent stammen von der Saatgutmarke Pioneer, die seit 1999 zu DuPont gehört. Dow Chemicals hat 2016 Pflanzenschutzmittel und Saatgut im Wert von 6,2 Mrd. US-$ verkauft. (db)
Die EU-Kommission hat sich mehrere Monate Zeit für eine eingehende Prüfung genommen. Ein Grund waren Bedenken, dass die Innovationsgeschwindigkeit im Pflanzenschutz abnimmt, wenn sich nach der aktuellen Konsolidierungswelle nur noch wenige große Player mit Forschung und Entwicklung befassen. Mit der Auflage, dass DuPont sich von Teilen des Pflanzenschutzes trennt, verbindet die EU-Kommission die Hoffnung, dass ein anderer Anbieter die zum Angebot stehenden Kapazitäten von DuPont kaufen kann.

Lange Wirkstoffliste
DuPont muss im Herbizidsektor für Getreide, Raps, Sonnenblumen, Reis und Grünland alle Produkte mit den Wirkstoffen Thifensulfuron, Tribenuron, Metsulfuron, Chlorsulfuron, Triflusulfuron, Lenacil, Flupyrsulfuron, Ethametsulfuron and Azimsulfuron) abgeben. Bei Insektiziden sind Indoxacarb, Cyazypyr and Rynaxypyr betroffen. (db)
DuPont muss sich von zahlreichen Wirkstoffen trennen, bei denen die EU-Kommission nach einem Zusammenschluss mit Dow eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs erwartet. Dazu gehören Herbizide gegen breitblättrige Unkräuter in Getreide sowie Insektizide gegen beißende Insekten. DuPont wird außerdem seine Forschungs- und Entwicklungs-Pipeline sowie -Organisation im Bereich Pflanzenschutz veräußern. Davon ausgenommen sind aber die Bereiche Saatgut, Nematizide sowie weit fortgeschrittene Forschungs- und Entwicklungsprogramme, die DuPont weiterführen und zur Marktreife bringen wird. Dow muss dagegen aus dem Agrarbereich nichts abgeben. Allerdings muss sich der Konzern von Teilen der Ethylenchemie trennen.

Dow und DuPont einen Schritt weiter

Wie beide Konzerne mitteilen, ist mit der Entscheidung der EU-Kommission eine wichtige Hürde für den geplanten Zusammenschluss genommen. Nach dem Zusammengehen soll der Dow-DuPont-Konzern in drei einzelne und jeweils börsennotierte Unternehmen für Agrarchemie und Saatgut, Spezialchemie sowie Kunststoffe aufgespalten werden. Für diesen Prozess plant das Management 18 bis 24 Monate nach dem erfolgten Zusammenschluss der Mutterkonzerne ein.

Entscheidung zu Syngenta und ChemChina folgt

Die EU-Kommission betont, dass sich aus der jetzt veröffentlichten Entscheidung keine Rückschlüsse auf weitere Prüfungen ziehen lassen, die in der Agrarchemie anstehen. Jeder Fall werde nach seinen Eigenheiten beurteilt, so Vestager. Im April soll eine Entscheidung zur geplanten Übernahme von Syngenta durch ChemChina verkündet werden. Der beabsichtigte Kauf von Monsanto durch Bayer ist hingegen noch nicht bei der EU-Kommission angemeldet worden. Dies soll nach Unternehmensangaben im 2. Quartal 2017 geschehen. (db)
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