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Hermann Steffen zu Garantieerklärungen

Garantieerklärungen an den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Zugriffsversuche auf betriebsinterne Produktionsdaten stoßen bei der Landwirtschaft naturgemäß auf wenig Gegenliebe. In der Vergangenheit hatten sich ähnliche Versuche der Metro-Gruppe schnell in Luft aufgelöst. Edeka scheint hartnäckiger zu sein, denn einige ihrer Regionalgesellschaften verlangen von der Landwirtschaft einen Feldpass, der sämtliche Produktionsdaten bis hin zur geographischen Lage der Anbauflächen enthalten muss. Im Rahmen des Qualitätssicherungssystems Global±Gap soll er in eine zentrale Datenbank eingepflegt werden und Edeka jederzeit zugänglich sein. Die Vorstellung, dass der LEH Zugriff auf das gesamte Know-how von der Produktion bis zu den verfügbaren Mengen haben will, löst bei den Erzeugern ärgste Befürchtungen aus. Schließlich könnten die Daten zur Preis- und Mengensteuerung herangezogen werden oder in unbefugte Hände gelangen, selbst wenn das Global-Gap-System kein Handlanger für den LEH sein will.

Nachvollziehbar, wenn für die Landwirtschaft am Hoftor Schluss sein soll mit der Transparenz für den LEH. Mit Verweigerung des Rückstandsmonitoring hat das nichts zu tun, denn die namhaften Erzeuger sind alle nach Global±Gap oder QS zertifiziert. Sicher lassen sich Schnittstellen optimieren, um im Ernstfall einen schnellen Zugrtiff auf die Daten zu bekommen. Ob eine zentrale Datenbank das Risiko für die Verbraucher vermindert, ist fraglich. Die Daten lassen sich ebenso gut über spezielle Agrarprogramme verwalten, ohne dass Big Brother über die Schulter schaut.

Die Lieferanten von Edeka Nord, Bayern, Sachsen und Thüringen müssen sich darüber keine Gedanken machen, aber von den Garantieerklärungen über maximal zulässige Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sind auch sie betroffen. Mit der Kartoffel hat man sich womöglich die falsche Frucht ausgesucht, denn Rückstandsproblematik gilt bei ihr als Fremdwort. Die Erzeuger werden die Garantien kaum unterschreiben wollen, denn mit der Unterschrift setzen sie die Produkthaftpflicht außer Kraft und müssten im Schadensfall für alle Kosten aufkommen. Sollte man seitens des LEH bei den Forderungen bleiben, wird manchen Erzeugern – aber auch Packbetrieben – kaum etwas anderes übrig bleiben, als auf die Belieferung einer Handelskette zu verzichten.

Kontraproduktivität wird aber keinem nützen und Qualitätssicherung darf nicht zum Machtthema werden. Der LEH sitzt zwar am längeren Hebel, doch bei Kartoffeln ist er bei den vorhandenen Anbaualternativen etwas kürzer geworden. Bis zur inländischen Frühkartoffelsaison ist es nicht mehr allzu weit und es scheint dringend erforderlich, dass sich Landwirtschaft, Lebensmittelhandel, Abpackbetriebe und auch der Kartoffelhandel als Mittler noch einmal an einen Tisch setzen, um das Machbare und Notwendige zu sondieren und gemeinsame Lösungen zu finden. Mit einer Eskalation ist keinem gedient.

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