Anfangsverdacht: Kartellamt nimmt Durchsuchungen im Bereich des Großhandels mit Pflanzenschutzmitteln vor.
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Anfangsverdacht: Kartellamt nimmt Durchsuchungen im Bereich des Großhandels mit Pflanzenschutzmitteln vor.

Nach Recherchen von agrarzeitung.de waren heute alle deutschen Hauptgenossenschaften von der Aktion des Bundeskartellamts betroffen. Durchsucht wurden nach Angaben der Behörde sieben Unternehmensstandorte und ein Verband auf Grundlage eines Beschlusses des Amtsgerichts in Bonn. Grund für die Aktion ist ein Anfangsverdacht auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen beim Großhandel mit Pflanzenschutz. Nach Angaben der Baywa soll der Untersuchungszeitraum bis auf das Jahr 2000 zurückgehen.

Besuch der Kartellwächter bekamen die Zentrale der Baywa AG in München und die Zentrale der Agravis Raiffeisen AG in Hannover. Dies teilten beide Unternehmen heute mit. Nach Informationen von agrarzeitung.de waren zudem die Raiffeisen-Waren-Zentrale Rhein-Main eG, die ZG Raiffeisen eG Karlsruhe, sowie die Raiffeisen Waren GmbH betroffen. Auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) in Berlin bestätigte auf Anfrage von agrarzeitung.de, dass im Verband Durchsuchngen stattgefunden hatten. Im privaten Großhandel waren nach Recherchen von agrarzeitung.de im Pflanzenschutz aktive Unternehmen nicht von den Durchsuchungen betroffen.

Alle wollen kooperieren

Baywa und Agravis kündigten in ihren Stellungnahmen an, kooperativ mit den ermittelnden Behörden zusammenzuarbeiten. Auch der DRV betonte, dass die betroffenen Mitgliedsunternehmen mit den Kartellbehörden zusammenarbeiten würden. Schließlich seien alle Beteiligten an einer zügigen Aufklärung interessiert. Der Vertreter eines maßgeblichen Herstellers von Pflanzenschutzmitteln gab sich auf Anfragen betroffen: „Ich dachte, der Wettbewerb ist auf der Großhandelsstufe so groß, dass es gar nicht zu wirksamen Absprachen kommen kann.“ Vor allem die genossenschaftlichen Unternehmen würden sich nicht einmal mehr die Verluste gönnen.

Das Bundeskartellamt in Bonn hatte auf Anfrage von agrarzeitung.de bestätigt, heute im gesamten Bundesgebiet auf Beschluss des Amtsgerichts Bonn sieben Unternehmensstandorte in ganz Deutschland und einen Verband im Bereich des Großhandels mit Pflanzenschutzmitteln durchsucht zu haben. An der Aktion seien 45 Mitarbeiter von Polizei und Bundeskartellamt beteiligt gewesen. Bei der Untersuchung gehe man dem Verdacht nach, dass es „zu Vereinbarungen oder abgestimmten Verhaltensweisen bei der Kalkulation und der Festlegung von Großhandels- und Endverkaufspreisen gekommen ist", so der Behördensprecher. 

Eine Durchsuchung des Bundeskartellamtes erfolgt regelmäßig auf der Basis eines gerichtlichen Durchsuchungsbeschlusses. Dieser setzt einen Anfangsverdacht für einen Kartellrechtsverstoß voraus. "Die Durchführung einer Durchsuchung dient der Aufklärung des Sachverhalts und bedeutet ausdrücklich nicht, dass sich die betroffenen Unternehmen und Personen tatsächlich eines Kartellrechtsverstoßes schuldig gemacht haben", betont der Sprecher. (pio/HH)
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