Dow und DuPont

EU-Kartellbehörde begründet lange Prüfung

Zeitplan
Dow und DuPont haben am 22. Juni 2016 bei der EU-Kommission den geplanten Zusammenschluss zur Genehmigung angemeldet. Die europäische Behörde muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen prüfen. Daraus errechnet sich eine Frist bis zum 20. Dezember 2016. Bis zu diesem Datum muss ein Beschluss erlassen werden. Die EU-Kommission arbeitet außerdem mit anderen Wettbewerbsbehörden eng zusammen, insbesondere mit der zuständigen US-Kontrollaufsicht sowie mit den Kartellbehörden in Brasilien und Kanada. (db)
Die EU-Kommission wird bis Jahresende prüfen, ob der geplante Zusammenschluss von Dow und DuPont den Wettbewerb in den Märkten für Pflanzenschutzmittel und Saatgut einschränken könnte. Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte dazu Ende voriger Woche: „Die Existenzgrundlage der Landwirte hängt davon ab, dass sie zu wettbewerbsfähigen Preisen Zugang zu Saatgut und Pflanzenschutzmitteln haben. Wir müssen sicherstellen, dass der geplante Zusammenschluss nicht zu höheren Preisen oder weniger Innovation bei diesen Produkten führt.“ In einer Pressemitteilung der Kommission werden die Bedenken näher erläutert.

Stark bei Herbiziden und Insektiziden

Durch den geplanten Zusammenschluss der beiden US-amerikanischen Unternehmen Dow und DuPont würde das weltweit größte integrierte Pflanzenschutzmittel- und Saatgut-Unternehmen entstehen – und das in weltweit bereits konzentrierten Branchen. Die EU-Kommission meldet nach einer ersten Marktuntersuchung Bedenken an, dass eine Kombination von Dow und DuPont bei Herbiziden sowie einigen Insektiziden den Wettbewerb auf den einschlägigen Märkten verringern könnte. Die Kommission wird zudem die Marktverhältnisse bei Nematiziden unter die Lupe nehmen sowie abschätzen, ob die Unternehmen mit ihren in der Entwicklung befindlichen Fungiziden eine zu starke Wettbewerbsposition erlangen könnten.

Auswirkungen auf Innovationen werden geprüft

Agrargewichte
Beide Konzerne verfügen über bedeutende Agrarsparten. Bei DuPont hat das Agrargeschäft 2015 einen Umsatz von 9,8 Mrd. US-$ erzielt. Mehr als zwei Drittel stammen von der Saatgutmarke Pioneer, die seit 1999 zu DuPont gehört. Dow Chemicals hat 2015 mit Pflanzenschutz und Saatgut einen Umsatz von 6,4 Mrd. US-$ erzielt. Zusammen wären die beiden Konzerne am globalen Markt zurzeit die Nummer 1. Das würde sich aber ändern, wenn Bayer Monsanto kauft. (db)
Darüber hinaus will die EU-Kommission grundsätzlich prüfen, ob der Zusammenschluss zu einer Verringerung der Innovationen bei Pflanzenschutzmitteln insgesamt führen könnte. Denn bei Dow und DuPont handele es sich um wichtige Innovatoren in der Pflanzenschutzmittelbranche. Der Zusammenschluss würde zum Wegfall eines der wenigen Unternehmen führen, die in der Lage sind, neue Wirkstoffe zu entwickeln und zu vermarkten.

Auch im Saatgutsektor stellt die EU-Kommission fest, dass sowohl Dow als auch DuPont „Gene-editing“-Technologien entwickeln, die zu einer wesentlichen Beschleunigung der Züchtung neuer Sorten genutzt werden könnten. Nach dem geplanten Zusammenschluss könnten die Unternehmen weniger geneigt sein, Wettbewerbern Lizenzen für diese Technologien zu gewähren. (db)
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