Bayer/Monsanto

EU-Kommission lässt sich Zeit

Lange Prüfung
Seit September 2016 sind sich Bayer und Monsanto handelseinig. Das deutsche Unternehmen will den US-Konzern für 66 Mrd. US-$ übernehmen. In den Firmen selbst haben alle Gremien zugestimmt. Erforderlich ist darüber hinaus die Genehmigung der Kartellbehörden in 30 Ländern. Besonders wichtig sind die Entscheidungen in der EU und den USA. (db)
Die EU-Kommission hat eine vertiefte Prüfung für die geplante Übernahme von Monsanto (USA) durch Bayer (Deutschland) angekündigt. Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager äußerte sich am Dienstag „besorgt darüber, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb in Bereichen wie Pflanzenschutz, Saatgut und agronomischen Merkmalen beeinträchtigen könnte“.

Die EU-Kommission hat jetzt bis zum 8. Januar 2018 Zeit, um zu einem Beschluss zu kommen. Ursprünglich hatte Bayer geplant, die Transaktion bis Ende 2017 abzuschließen. In einer ersten Stellungnahme äußert der Konzern aber die Hoffnung, den Termin noch halten zu können. „Bayer ist von den Vorteilen des geplanten Zusammenschlusses für die Landwirte und Kunden überzeugt und wird die EU-Kommission bei der Untersuchung wie bisher eng und konstruktiv unterstützen“, heißt es am Dienstag in der Firmenzentrale in Leverkusen.

Vorläufige Bedenken der Kommission

Die Kommission hat in einer ersten Marktuntersuchung mehrere kritische Bereiche gefunden:
  • Das von Monsanto vertriebene Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist das in Europa am meisten verkaufte Totalherbizid. Bayer wiederum stellt Glufosinatammonium her, ebenfalls ein Totalherbizid und eines der wenigen Alternativen zu Glyphosat. In diesem Bereich hat allerdings bereits die südafrikanische Wettbewerbsbehörde interveniert und die Genehmigung für den Zusammenschluss an die Bedingung geknüpft, dass Bayer sein globales Liberty-Geschäft verkauft.
  • Darüber hinaus wird die Kommission die Tätigkeiten von Monsanto im Bereich biologischer Pflanzenschutzmittel prüfen, die in Konkurrenz zu chemischen Bayer-Produkten stehen.
  • Im Saatgutsektor geht es um die Wettbewerbsposition bei Gemüsesaatgut, Rapssaatgut und Baumwollsaat. Das Brüsseler Augenmerk richtet sich darüber hinaus auf Forschungs- und Innovationsprogramme für Weizen.
  • Außerdem nimmt sich die EU-Kommission agronomische Merkmale vor. Hier geht es vor allem darum, die bestehenden Verbindungen zwischen den wenigen weltweit tätigen Wettbewerbern über den Austausch von Lizenzen und die Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung unter die Lupe nehmen.
  • Schließlich wird die EU-Kommission untersuchen, ob der Zugang der Wettbewerber zu Verteilern und Landwirten erschwert würde, sollten Bayer und Monsanto ihre Verkäufe insbesondere im Hinblick auf die digitale Landwirtschaft bündeln oder zusammenlegen. (db)
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