EU-Kommission sieht Bedarf für angepasste Getreidezölle


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Die Einfuhrzölle für Getreide in der EU sollen nicht mehr allein auf Basis von Notierungen an den US-Börsen errechnet werden. Die Preise in der Schwarzmeerregion lägen zumeist niedriger, weshalb der Außenschutz der EU unterlaufen werde. Dies stellt Lars Christian Hoelgaard von der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission fest. In einem Interview mit der Agrarzeitung Ernährungsdienst, das in der heutigen Ausgabe veröffentlicht ist, nennt Hoelgaard einen aktuellen Weizenpreis von 91 bis 92 US-$/t fob Schwarzmeer im Vergleich zum Soft-Red-Winter, der in den USA zurzeit mit etwa 117 US-$/t fob Golf notiert wird. Die Einfuhrzölle der EU, die auf Basis der US-Notierungen berechnet werden, reichen deswegen nicht aus, um auch gegen Weizen aus der Schwarzmeerregion ein Schutzniveau von 155 Prozent des Interventionspreises zu erhalten. Für problematisch hält Hoelgaard allerdings, dass in der Schwarzmeerregion bislang keine transparenten Weizenpreise zu ermitteln seien. Auch müssten die USA zustimmen, wenn die EU die Berechnung der Importzölle ändern will.

Agrarkommissar Franz Fischler kündigte nach Informationen der Agrarzeitung Ernährungsdienst in dieser Woche an, ein besserer EU-Außenschutz gegen billige Getreideiimporte aus Osteuropa sei ein Bestandteil für seinen Vorschlag zur Halbzeitbilanz der Agenda 2000, der im Juni präsentiert werden soll. (Mö)
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