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Importe niedriger und mittlerer Qualität begrenzt - Qualitätsweizen aus den USA fließt reichlich

18. Oktober 2003; Von Dagmar Behme

Die Möglichkeit von Weizenimporten niedriger oder mittlerer Qualität aus den USA in die EU ist zurzeit Thema sowohl im Weizenhandel der EU als auch der USA. Noch ist keine Tonne importiert worden. Selbst wenn es bald zu Importen kommt, ist der Einfluss auf die EU-Märkte klein. Denn die Importe sind durch ein Kontingent begrenzt. Qualitätsweizen aus Nordamerika fließt dagegen ohne Hindernisse.

Bis zu einer Menge von 572.000 t pro Wirtschaftsjahr darf US-Weizen niedriger und mittlerer Qualität mit einem Zoll von 12 EUR/t in die EU eingeführt werden. Darüber hinaus gehende Mengen werden mit 95 EUR/t verzollt, rechnen sich also nicht. Dieses zollermäßigte Kontingent für die USA ist im November 2002 verhandelt worden. Zur Erinnerung: Im vorangegangenen Wirtschaftsjahr suchte man in der EU händeringend nach Wegen, um die Weizenimporte niedriger und mittlerer Qualität aus Osteuropa zu begrenzen, ohne mit internationalen Handelsvereinbarungen in Konflikt zu geraten. Die Lösung war, EU-Importe von Weizen niedriger und mittlerer Qualität durch Zollkontingente zu begrenzen.

Länderquoten

Vereinbart wurde, dass die EU insgesamt bis zu 3,0 Mio. t Weizen niedriger und mittlerer Qualität mit einem Importzoll von 12 EUR/t zulässt, von denen rund 600.000 t für die USA und Kanada reserviert sind. Die Länderquoten für die USA und Kanada waren im November 2002 kein Streitpunkt. Da beide Staaten in den vergangenen Jahren überwiegend Weizen hoher Qualität in die EU geliefert hatten, der von den Kontingenten nicht berührt ist, war das Interesse Nordamerikas gering, sich für ein hohes Kontingent bei Weizen niedriger und mittlerer Qualität stark zu machen. So sind außer den 572.000 t für die USA lediglich 38.000 t für Kanada vereinbart worden. Eine Aufstellung der Weizenimporte in die EU, die im November 2002 von der EU-Kommission für die zurückliegenden Jahre veröffentlicht worden war, zeigt beispielsweise, dass die USA 2001 rund 1,15 Mio. t Weichweizen in die EU geliefert hatten. Davon war der Löwenanteil mit rund 750.000 t Weizen hoher Qualität und nur jeweils 200.000 t Weizen niedriger und mittlerer Qualität. Aus Kanada kamen 2001 rund 850.000 t Weichweizen in die EU. Davon waren rund 700.000 t Weizen hoher Qualität und weniger als 150.000 t mittlerer Qualität. Vor einem Jahr ging es bei den neuen Zollkontingenten also nicht darum, die Importe von Weizen niedriger und mittlerer Qualität aus den USA zu begrenzen. Vielmehr sollte der Zustrom von solchem Weizen vor allem aus Osteuropa begrenzt werden. Nach Schätzungen des Internationalen Getreiderates IGC, London, lieferten 2002/03 allein Russland 3,5 Mio. t und die Ukraine weitere 3,1 Mio. t Weizen in die EU.

Neue Vorzeichen

Das Wirtschaftsjahr 2003/04 steht dagegen unter völlig anderen Vorzeichen. Weizen niedriger und mittlerer Qualität ist sowohl in West- als auch in Osteuropa äußerst knapp. Lediglich der Anteil an eiweißreichem Qualitätsweizen ist in Europa vergleichsweise hoch ausgefallen. Besonders in Deutschland und Österreich gibt es ein großes Angebot. Die Nachfrage der europäischen Mühlen nach diesen E-Weizen-Qualitäten ist dagegen gering. Denn der normale Brotweizen weist in diesem Jahr recht hohe Eiweißwerte auf, und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und Großbritannien. Deswegen wird weniger Aufmischweizen als in "proteinärmeren" Jahren benötigt. Proteinarmer Weizen hingegen wird in der EU an allen Ecken und Enden gesucht, zumal er in diesem Jahr auch in Osteuropa Mangelware ist.

Preisgefälle

In den USA sind alle Weizenqualitäten in großen Mengen geerntet worden. Es gibt ausreichend Ware, um Exportmärkte zu bedienen. Und die Preise sind in US-Dollar nicht ausgesprochen hoch. Hinzu kommt der schwache US-Dollarkurs, so dass umgerechnet in Euro die US-Weizenpreise noch deutlich unter dem EU-Niveau liegen. Je nach Parität ist die Differenz groß genug, um den Importzoll von 12 EUR/t und Frachtkosten in der Größenordnung von 20 EUR/t zu kalkulieren. Da Importe von US-Weizen niedriger und mittlerer Qualität aber durch die Quote begrenzt sind, überlegen sich Händler sehr genau, zu welchem Zeitpunkt sie solche Importe erwägen sollen. Denn möglicherweise kann das US-Geschäft bei veränderten Notierungen und Währungsverhältnissen im Verlauf des Wirtschaftsjahres noch sehr lukrativ werden, allerdings eben nur für die durch das Kontingent begrenzte Menge.

Routine

Eher routinemäßig gestalten sich die EU-Importe von Qualitätsweizen aus den USA, der zollfrei geliefert werden darf und auch mengenmäßig nicht begrenzt ist. Seit Jahren importiert der EU-Getreidehandel jährlich aus den USA und Kanada im Durchschnitt der Jahre zusammen etwa 2,0 Mio. t Qualitätsweizen. Vor allem italienische Mühlen schätzen die nordamerikanische Qualität und zahlen dafür zum Teil hohe Preise. Hinzu kommen Durumimporte vor allem aus Kanada, die jährlich je nach Umfang der EU-Ernte zwischen 0,8 und 1,7 Mio. t liegen und vor allem in die südeuropäischen Länder geliefert werden. Dennoch sorgen auch diese Qualitätsweizenlieferungen, beispielsweise von US-Dark Northern Spring (DNS), für Stimmung an den EU-Märkten. Denn Qualitätsweizen ist in der EU nicht knapp, soll aber trotzdem zu hohen Preisen vermarktet werden, um noch einen ausreichenden Abstand zu dem schon sehr teuren Futterweizen und normalen Brotweizen zu erzielen. Doch das ist angesichts des reichlichen Angebots aus Nordamerika und des im Vergleich zum Euro schwachen US-Dollarkurses momentan besonders schwierig. So spielen im Weizenhandel die Beteiligten in diesem Jahr auf Zeit.
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