Die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (kurz Mifid II) soll erst ab dem 3. Januar 2018 umgesetzt werden, teilte Brüssel mit. Grund für die Terminverschiebung sei, dass die komplexe technische Struktur für die neuen Regeln sowohl bei den meisten Behörden als auch bei den Marktteilnehmern fehle und kaum bis Januar 2017 zu etablieren sei. „Wir geben den Beteiligten somit ein Jahr mehr Zeit, um sich gründlich vorzubereiten und die erforderlichen Änderungen an ihren Systemen vorzunehmen“, sagte der für Finanzmarktstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständige EU-Kommissar Jonathan Hill.

Hintergrund
Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) hatten nach ihrem Gipfeltreffen im September 2009 in Pittsburgh erklärt, Risiken im internationalen Derivatehandel zu verringern. Grund für die konzertierte Aktion war der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers, der das weltweite Finanzsystems ins Wanken gebracht hatte. In der EU greift die Novelle der 2007 erstmal in Kraft getretenen Finanzmarktrichtlinie Mifid (Markets in Financial Instruments Directive) dieses Ziel auf. (sp)
Die Aufsicht will ab 2018 zwei Tests machen, um herauszufinden, ob ein Unternehmen unter die neuen Regeln fällt. Der erste Test prüft, welchen Marktanteil ein Händler bewegt. Beträgt die Handelsaktivität eines Unternehmens mindestens 4 Prozent von der gesamten Handelsaktivität am EU-Markt für Agrarkontrakte, so fällt es unter Mifid II. Das kann gerade in kleineren Märkten wie dem Mais- oder Rapsmarkt an der Euronext (Matif) schnell passieren.

Der zweite Test, der sogenannte „main business test“, ermittelt, wie hoch der Anteil an spekulativen Transaktionen im Unternehmen ist. Dabei gibt es drei Varianten. Erstens: Ein Händler ist von Mifid II befreit, wenn seine Spekulationen weniger als 10 Prozent betragen. Zweitens: Machen die spekulativen Geschäfte zwischen 10 und 50 Prozent aus, fällt der Test negativ aus, wenn der Handel in Agrarkontrakten weniger als 2 Prozent der Gesamtaktivität in EU-Agrarkontrakten beträgt. Drittens: Kommt ein Unternehmen auf Spekulationsgeschäfte von 50 Prozent und mehr, fällt der „main business test" nur dann negativ aus, wenn weniger als 0,8 Prozent an der gesamten Handelsaktivität in EU-Agrarkontrakten gehalten werden. (sp)
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