Anleihenkäufe

EZB lässt Euro zittern


Schicksalhafte Sitzung: Hier ist heute das neue EZB-Programm verkündet worden.
-- , Foto: EZB
Schicksalhafte Sitzung: Hier ist heute das neue EZB-Programm verkündet worden.

Mehr als 1 Billion Euro wird die EZB bis Herbst 2016 durch Käufe von Staatsanleihen in die Wirtschaft der Eurozone pumpen. Der Schritt war an den Märkten zwar erwartet worden – aber nicht in diesem Umfang. Unter Analysten hatten vor Bekanntgabe der Entscheidung Volumina von 500 bis 700 Milliarden € für das Aufkaufprogramm kursiert. Bis Ende September 2016 soll das Programm laufen.

Aus dem Bankensektor hagelte es Kritik an der Entscheidung. Auch die Genossenschaftsbanken positionieren sich kritisch. „Was der Euroraum wirklich braucht, sind nicht noch weitere Programme der EZB, sondern Reformen in Wirtschaft und Politik. Nur damit werden wir ein nachhaltig stärkeres Wirtschaftswachstum erzielen, auf das wir nun schon so lange warten“, sagte etwa Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Zudem sehen Banken die Gefahr der „spekulativen Übertreibung“ an den Aktienmärkten. Der Dax erreichte nach Bekanntgabe der EZB-Entscheidung ein neues Rekordhoch.

Für die Mischer wird es teuer

Da das Aufkaufprogramm das Vertrauen in die Wirtschaft der Eurozone schwächt, wertete der Euro weiter ab. Die Gemeinschaftswährung fiel unter die Marke von 1,15 US-$. Für Exporteure von Agrargütern wie Getreide in der Europäischen Union ist das eine gute Nachricht: „ Die großen Getreide-Importeure werden sich vielleicht sagen, dass sie Getreide nirgendwo so billig bekommen, wie bei uns“, meinte ein Marktteilnehmer aus Hamburg zu agrarzeitung.de.

Für Verarbeiter hingegen, die Agrargüter am Weltmarkt einkaufen müssen, sieht es weniger rosig aus: Importierte Futtermittel wie Soja, die in US-Dollar gehandelt werden, werden teurer. Das trifft etwa die hiesige Mischfutterindustrie, die Käufe von Soja in Erwartung an fallende Preise später im Jahr auf die lange Bank geschoben hatte. Auch Dünger dürfte teurer werden, schätzen Beobachter. (pio)
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