Handel

Edeka schockt Milchbauern

Niedrige Preise - hohe Anforderungen: In der Branche stößt der Edekavorstoß auf Widerstand.
-- , Foto: Edeka
Niedrige Preise - hohe Anforderungen: In der Branche stößt der Edekavorstoß auf Widerstand.

Milch, Sahne und Quark der Edeka-Eigenmarken sind „gut & günstig“ – so jedenfalls der Name des Programms. In Zukunft sollen die Produkte auch tiergerechter und nachhaltiger produziert werden. Der Konzern hat dazu einen umfangreichen Fragenkatalog an seine Lieferanten verschickt. In ihm werden Anforderungen an eine künftige Milchproduktion formuliert. Themen sind beispielsweise ein Verzicht auf GVO-Futtermittel, der Rohfaseranteil im Futter, die Anbindehaltung, Teilnahme an der Milchleistungsprüfung, die Bestandsbetreuung durch den Tierarzt oder das Enthornen von Kälbern.

Bayern fürchtet Strukturbruch

Edeka bittet die Molkereien, mitzuteilen, welche der insgesamt 21 Kriterien von den Milcherzeugern bereits erfüllt werden. In der Branche hat das Schreiben für große Unruhe gesorgt. „Wenn Edeka diese Kriterien verbindlich einfordert, führt das in Bayern zu einem Strukturbruch“, warnt Dr. Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern im Gespräch mit agrarzeitung.de. Viele kleine Betriebe mit Anbindehaltung könnten die Forderungen von Edeka nicht erfüllen.

Höhere Anforderungen im Niedrigpreissegment

Schon die Beantwortung der Fragen stellt die Molkereien vor einige Probleme, denn über viele Einzelheiten, wie zum Beispiel das Fütterungsregime oder die detaillierte Ausstattung der Ställe sind sie nicht informiert. Edeka bezieht sich mit dem Vorstoß zunächst nur auf Eigenmarken der Weißen Linie. Gut-und-günstig-Käse oder Joghurt sind davon genauso wenig betroffen wie Markenprodukte. Dass ausgerechnet im Niedrigpreissegment über eine Anhebung der Produktionsstandards nachgedacht wird, sorgt dabei für besonderen Ärger.

Zusätzliche Entlohnung kein Thema

„Edeka geht mit einem sechsseitigen Forderungskatalog weit über die gesetzlichen Bestimmungen und auch die ohnehin schon höheren Anforderungen im Qualitätsmanagement Milch hinaus“, kritisiert der Präsident des Landvolks Niedersachsen Werner Hilse. Mit keiner Silbe dagegen lasse Edeka erkennen, dass die Landwirte für den zusätzlichen Wunschkatalog des Handelskonzerns zusätzlich entlohnt werden sollten. „Wer die Musik bestellt, der bezahlt“, dieser Grundsatz sollte nach Ansicht Hilses auch für die Edeka-Forderungen gelten. Edeka teilte auf Anfrage von Agrarzeitung.de mit, sich nicht zu dem Sachverhalt äußern zu wollen. „Es handelt sich hier um Themen, die wir bilateral im Dialog mit unseren Geschäftspartnern besprechen", teilte der Konzern mit. (SB)
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