Eine Bewertung der Wirkstoffgruppe der Neonikotinoide durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) steht unmittelbar bevor.

Noch in dieser Woche ist mit einer Stellungnahme der Efsa zum Einsatz der Neonicotinoide zu rechnen. Auf einer heute in Berlin stattgefunden Pressekonferenz des Industrieverbandes Agrar (IVA) und des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) erläuterten Vertreter aus der Wissenschaft, Industrie und landwirtschaftlichen Praxis den Nutzwert dieser Stoffe.

Die Substanzen sind für die Beizung von Raps- und Zuckerrübensaatgut nach Meinung von Fachleuten kaum ersetzbar. Durch eine unsachgemäße Anwendung der Wirkstoffe im Jahr 2008 und ein dadurch ausgelöstes Bienensterben waren Neonicotinoide in die Kritik geraten. In Frankreich ist deren Verwendung derzeit verboten. Dadurch ausgelöst hatte die EU-Kommission eine Überprüfung der Neonicotinoide bei der Efsa in Auftrag gegeben.

Deren Ergebnisse werden nun mit Spannung erwartet. Nach Aussage von Praktikern auf der heutigen Pressekonferenz seien die Beizmittel nahezu "alternativlos" für eine wirtschaftliche Raps- und Zuckerrübenerzeugung.

Vertreter der Industrie wiesen darauf hin, dass die Wirkstoffe für Bienen grundsätzlich gefährlich sein können. Durch die richtige Anwendung und ein gezieltes Risikomanagement könnten negative Wirkungen jedoch zuverlässig ausgeschlossen werden. In anderen bedeutenden Rapserzeugerländern wie Kanada oder der Ukraine kommen Neonicotinoide ohne Bedenken zum Einsatz.

Schützenhilfe bekommen deutsche Branchevertreter von Industrie- und Bauernverbänden in Europa. Copa, der europäische Bauernverband, die Organisation der Pflanzenschutzindustrie (ECPA) und der Verband der Saatguthersteller (ESA) warnen vor Ernteverlusten durch den Verzicht auf Neonicotinoide. Die Verbände stützen sich auf eine Studie des Humboldt Forums für Ernährung und Landwirtschaft, die von Bayer Crop Science und Syngenta finanziert wurde.

Nach der Studie drohen Verlust von 17 Mrd. € in der EU in den kommenden fünf Jahren, wenn das Insektizid verboten wird. Auch auf Umweltrisiken weist die Studie hin. Wenn die Ernteverluste durch Importe ausgeglichen werden müssten, führe dies in Drittländern zum Umbruch von Waldböden zur Gewinnung von Ackerland. (jst/Mö)

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