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Das aktuelle Angebot an Rapssorten unterscheidet sich durch drei unterschiedliche Einstufungen in der Reifeverzögerung im Stängel, der Stängelreife. Diese Eigenschaft, die das Bundessortenamt (BSA) bewertet, gewinnt an Aufmerksamkeit. Sie gibt einen Hinweis auf die Mähdruschfähigkeit zum Zeitpunkt der Kornreife.

Unter normalen Druschbedingungen liefert die Sortenbeschreibung ’Reifeverzögerung im Stängel’ eine Orientierung für den idealen Erntetermin. Es gibt drei Einstufungen des Bundessortenamtes für die unterschiedlichen Abreifetypen. Beschrieben wird die Stängelreife der Sorte zum Zeitpunkt der Kornreife. Die drei ansteigenden Noten 4, 5 und 6 beschreiben eine zunehmende Reifeverzögerung (siehe Grafik).

Mit zunehmender Sortenvielfalt haben sich auch neue Sortentypen etabliert, die das Merkmal Reifezeit mit Pflanzenlänge und Stängelgesundheit neu kombinieren. Inzwischen gibt es in den beiden Gruppen der KornreifeSorten drei verschiedene Einstufungen für die Stängelabreife. Der klassische Typ 1 mit früher Kornreife , also BSA-Note 4, und gutem Stängelreifeverhalten der Note 4 wird ergänzt durch etwas später reifende Sorten mit ebenfalls guter Stängelabreife. Diese Sorten lassen sich bei richtigem Kornreifetermin auch gut im Stängel dreschen.

Sorten vom Typ 2 mit einer leicht höheren Reifeverzögerung im Stängel, also Note 5, können zwar sofort bei Kornreife gedroschen werden. Allerdings ist ein leichterer Mähdrusch zu erwarten, wenn der Stängel noch etwa ein bis zwei Tage länger abreifen darf. Neu bei Rapool ist der Sortentyp 3 mit einer höheren Reifeverzögerung im Stängel, bewertet mit BSA-Note 6. Hier verbessert sich die Mähdruschfähigkeit, wenn etwa zwei bis drei Tage mehr Zeit für die Stängelabreife zugegeben werden. Möglicherweise kann die zusätzliche Abreife- und Umlagerungszeit den Ertrag positiv beeinflussen. Sortentypen mit verzögerter Stängelreife Typ 2 und 3 profitieren von einem leicht verzögerten Drusch.

In einer bundesweiten Praxisumfrage nach Ernteerfahrungen wird deutlich, dass Praktiker Sorten mit geringer Reifeverzögerung bevorzugen. Leicht abgestuft werden die Sorten mit längerer Strohreife beurteilt. Diese Sorten hätten wenig später genauso leicht gedroschen werden können.

Andreas Baer und Dania Bornhöft, Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg-Lembke KG, Hohenlieth
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