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Die geplante Freisetzung von gentechnisch veränderten (GV-)Kartoffeln auf Versuchsfeldern der Universität Rostock stößt auf Kritik. Mehr als 57.000 Einwendungen hat das Münchner Umweltinsitut zusammengetragen und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute überreicht. Universität Rostock will die GV-Kartoffeln in Üplingen (Sachsen-Anhalt) und Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern) im Freiland anbauen.

Dabei handelt es sich um drei verschiedene gentechnische Veränderungen, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) mitteilt. Der eine Versuch gelte einer Kartoffelllinie, die eine nicht toxische Untereinheit des Cholera-Toxins enthalte. Dieses Eiweiß sei gut erforscht und seit 2005 bereits als Bestandteil eines Cholera-Impfstoffs zugelassen. Durch die zweite gentechnische Veränderung werde in der Kartoffel ein Hüllprotein eines Kaninchenvirus produziert. Auch dieses Eiweiß sei bereits in Impfstoffen zugelassen, argumentiert das BMELV. Als dritter Teil des Versuchsanbaus sollen Kartoffeln gepflanzt werden, die ein biologisch abbaubares polymeres Eiweiß produzieren. Hier sei an eine Anwendung in der Bauchemie oder Waschmittelindustrie gedacht. Einwendungen beim BVL konnten bis heute eingereicht werden.

Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München, fürchtet unvorhersehbare Konsequenzen für die Umwelt. Eine Kontamination benachbarter Kartoffelfelder und damit das Eindringen von Pharmazeutika produzierenden Pflanzen in die Lebensmittelkette sei nicht ausgeschlossen, zumal die Universität Rostock nur 20 Meter Abstand zu angrenzenden Feldern einhalten wolle. Bauer kritisiert auch, dass der Kaninchen-Impfstoff völlig wirkungslos sei, wie die Universität Rostock in ihrem Antrag einräume. (brs)

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