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Neutralität der Rabobank wichtig bei Koordination - Startup-Unternehmen und Investoren einbinden

22. März 2000, Ulrike Buchmann, Agrarzeitung Ernährungsdienst, Frankfurt a.M.

Für die Rabobank International soll die Arbeit an dem E-Commerce-Portal für die Food & Agri-Branche "vTraction.com" im Laufe dieses Sommers in Beteiligungen an europäischen Startup-Unternehmen und in die Einbindung von Investoren münden. Eine entsprechende Roadshow in den interessantesten Märkten der EU, das heißt in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Dänemark, soll schon bald stattfinden. Dies erklärte Dr. Gerd Böckenhoff von der Rabobank International, Frankfurt a. M., gegenüber der Agrarzeitung Ernährungsdienst.

Mit vTraction.com, hat die Rabobank International, New York, Anfang Februar eine elektronische Kooperations-Plattform für die Agrar- und Lebensmittelbranche ins Leben gerufen. Als unabhängig operierendes Unternehmen mit Sitz in New York wurde vTraction.com mit einem Ausgangsbudget von 100 Mio. US-$ ausgestattet. Bereits in den vergangenen Wochen wurden erhebliche Investitionen in Portfolio-Firmen und Portalpartner insbesondere in den USA getätigt. Dabei soll die Bandbreite von E-Consultingfirmen über digitale Handelsplätze bis zu Serviceprovidern für die Geschäftsabwicklung reichen.

Auch in Europa soll das Portal vTraction.com eine entsprechende Bedeutung bekommen. Die Rabobank setzt ihre Kontakte und Erfahrungen mit der Branche dafür ein. Die vor- und nachgelagerten Sektoren der Landwirtschaft stehen im Zentrum der Aktivitäten. "Wir wollen die Erfahrungen und den Vorsprung, den die Entwicklung in den USA hat, einfließen lassen", erklärte Böckenhoff. Die eigenen Aufgaben sieht Böckenhoff vor allem in der Koordination, mit dem Ziel, Standards zu setzen, und somit möglichst vielen die Teilnahme zu ermöglichen. Kommunikationskanäle gilt es auch zu den Lebensmittelketten zu vereinheitlichen und sie damit für möglichst alle nutzbar zu machen. Die Rabobank sieht sich mit vTraction.com als Koordinator für Plattformen zunächst insbesondere der Zulieferer der Landwirtschaft sowie der abnehmenden Seite. In dieser Mittlerposition sei die Neutralität der Rabobank ein wichtiger Faktor. Der genossenschaftliche Gedanke solle zudem einfließen. Das werde auch in dem Namen vTraction.com deutlich, in dem das "v" für vertikal und der Begriff "Traction" für die Zugkraft und Bewegung stehe und auf die Integration über die gesamte Lebensmittelkette abzielt. Die Neutralität will die Rabobank wahren, indem sie diese auch von Start-up-Unternehmen verlangt, die sie in die E-Commerce-Plattform aufnimmt. Zudem soll die Dominanz von einzelnen Anbietern oder Investoren vermieden werden. Enge Bindungen an einzelne Hersteller kommen daher nicht in Frage. "Wir sind dabei, den Markt zu analysieren und haben Kontakte zu verschiedensten Startup-Unternehmen geknüpft", so Böckenhoff. "In der nächsten Phase sollen auch in Europa Minderheitsbeteiligungen an den Unternehmen genommen werden".

In den kommenden Monaten erwartet Böckenhoff das Erscheinen von einigen E-Commerce-Anbietern auf dem europäischen Markt für Agrarprodukte. Emsig werde an den Vorbereitungen gearbeitet. Stark standardisierte Produkte wie Pflanzenschutzmittel, Saatgut, Düngemittel, Treibstoff, Energie und Versicherungen seien auch in Europa im Netz zunächst die interessantesten Produkte. Produkte wie Getreide seien nicht so leicht zu standardisieren und stünden insofern in der zweiten Reihe. Noch schwieriger werde es beim Fleischhandel. Allerdings sieht Böckenhoff hier einen besonderen Bedarf für die Koordination des Nutztierhandels. Auch Logistiker will die Rabobank in ihre Aktivitäten einbeziehen.

Durch die Einführung des E-Commerce bekommen Informationen zu Produkten eine stärkere Rolle als zuletzt. Laut Böckenhoff wird die reine Preiskomponente, die insbesondere in Auktionen zum Ausdruck kommt, in Zukunft weniger starke Bedeutung haben. Auf der anderen Seite dürften Preisasymmetrien bald abgebaut werden. Unterschiedliche Preise im Angebot eines Betriebsmittels an mehrere Landwirte von einem Handelsunternehmen dürften tendenziell der Vergangenheit angehören. Das Geld müsse im Handel in Zukunft stärker an den Servicekomponenten verdient werden.

Kleinere Unternehmen werden Informationen vergleichsweise leichter beschaffen können. Nach Aussagen von Böckenhoff wird insofern die Position der Landwirte insgesamt gestärkt. Neue Bindungen herzustellen wird für sie erleichtert, was zur Folge hat, dass gegebenenfalls auch alte Bindungen eher gelöst werden. Denn parallel zu den alten Bezugswegen dürften die Landwirte über den E-Commerce nach neuen Wegen suchen.
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