Energiewende

Engpässe im Stromnetz werden teuer

Im kommenden Jahr werden in Deutschland die Strompreise steigen. Der Stromnetzbetreiber Tennet kündigte an, die Preise im kommenden Jahr um 80 Prozent zu erhöhen. Die höheren kosten werden von den Stromvermarktern a die Endkunden weitergegeben. Für eine Drei-Personen-Haushalt bedeute dies eine jährliche Mehrbelastung von rund 30 €, erklärte Tennet-Chef Urban Keussen dem Handelsblatt.

Hauptursache für den Anstieg sei, dass der Netzausbau nicht so schnell voran kommt wie der Zubau der Erneuerbaren. Der Ausbau der Netze werde seit Jahren durch politischen Streit, lange Genehmigungsverfahren und Proteste entlang der geplanten Trassen verzögert, kritisiert Keussen. Ohne den Ausbau ist es schwierig, Sonnen- und vor allem den Windstrom aus dem Norden etwa in den Süden der Republik zu bekommen. Wegen ungleichmäßiger Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom müssen Netzbetreiber häufig stabilisierend eingreifen. Dabei fallen laut Keussen Milliarden-Kosten an. Der Löwenanteil des Anstiegs der Netzentgelte von Tennet gehe auf das Konto solcher „netzstabilisierenden Notmaßnahmen“. „Nur fünf Prozent seien durch den Netzausbau begründet. Das zeige, dass die vielen Verzögerungen beim Bau neuer Stromnetze teurer seien als der Neubau von Masten und Leitungen selbst.

Im Sommer hätten zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen im Norden viel Sonnenstrom produziert, so dass konventionelle Kraftwerke ihre Leistung herunterfahren mussten, um das Netz zu stabilisieren. Für die Entschädigung an die Betreiber kommen die Verbraucher über die Netzentgelte ihrer Stromrechnung auf. (SB)
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