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Den hopfenerzeugenden Ländern in der EU ist die EU-Kommission einen Schritt entgegengekommen. Nach der ins Auge gefassten Reform sollen auch so genannte "gerodete Flächen" beihilfeberechtigt bleiben, erklärte EU-Agrarkommissar Franz Fischler nach einer ersten Aussprache über den Hopfen im EU-Agrarministerrat. Auf "gerodeten Flächen" wurde früher einmal Hopfen angebaut. Jetzt sind nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Gerüste entfernt. Für diese Flächen, die im Sinne der Angebotskontrolle gewünscht sind, wurde bisher den Erzeugern eine Beihilfe gezahlt. Die Kommission wollte die "gerodeten Flächen" in ihrem Vorschlag zur Reform der Hopfenmarktordnung außen vor lassen. Fischler hat am Mittwoch vor dem Rat einen Rückzieher gemacht und diese Flächen als beihilfeberechtigt anerkannt. In Deutschland sind von den 18.000 ha Hopfenfläche rund 2.100 ha gerodete Flächen.

In einem weiteren Punkt blieb Fischler dagegen unbeweglich. Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast forderte im Rat ein gesichertes Finanzierungssystem für die Erzeugergemeinschaften (EZG) von Hopfen ein. Heute werden 20 Prozent der Beihilfe einbehalten, mit denen die EZG zum Beispiel die Züchtung neuer Sorten oder die Entwicklung der Produktionstechnik unterstützen. Die Kommission weist in ihrem Vorschlag ebenfalls auf die zentrale Bedeutung der EZG in der Hopfenmarktordnung hin. Sie möchte dennoch, dass zukünftig Hopfenproduzenten nur noch freiwillig Mitglied in der EZG sind und freiwillig Beträge für die Gemeinschaft abführen. Dies sei keine ausreichende Grundlage für den Fortbestand der EZG in heutiger Form, argumentierte Künast. Sie möchte, dass zumindest den EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit eingeräumt wird, von den zukünftig entkoppelten Direktzahlungen einen Teil für die Finanzierung der EZG einzubehalten. Da die Kommission selbst Interesse an den EZG zeigt, wird nicht ausgeschlossen, dass Fischler zu einem späteren Zeitpunkt nachgibt, zumal dies den EU-Haushalt nicht belasten würde. Das eigentliche Ziel der Reform, nämlich die Entkoppelung von 75 Prozent der Direktzahlungen an Hopfenerzeuger von der Produktion, ist nicht umstritten. Das Reformpaket, zu dem neben dem Hopfen auch Tabak, Olivenöl und Baumwolle gehören, soll im April 2004 unter irischer Ratspräsidentschaft zumindest politisch verabschiedet werden. (Mö)

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