Eurotier: Digitalisierung

Entscheider bleiben gesucht

Die Folgen der Digitalisierung der Landwirtschaft lassen sich nicht wirtschaftlich bewerten, erklärte Ansgar Bernardi vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz, Osnabrück, auf dem Karrieretalk „Schnittstelle Mensch-Maschine – Wie verändert die Digitalisierung unsere Arbeitswelt“ am Mittwoch auf der EuroTier in Hannover.

AZ-Redakteurin Katja Bongardt diskutierte mit Dr. Ansgar Bernardi, Hans Alexander Rabe und Hermann Dorfmeyer (von links).
-- , Foto: Christoph Nitsche
AZ-Redakteurin Katja Bongardt diskutierte mit Dr. Ansgar Bernardi, Hans Alexander Rabe und Hermann Dorfmeyer (von links).

Keine neuen Lehrpläne notwendig

Die mit ihm diskutierenden Experten Hans Alexander Rabe, 365Farmnet, Berlin, und Hermann Dorfmeyer, von der Fachkräftevermittlung Farmconnect, Hunteburg, zeigten sich uneinig über die Folgen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt. „Mittleren und kleineren Betrieben fehlt oft die Möglichkeit, die Digitalisierung voranzutreiben“, sagt Dorfmeyer. Einfach, weil sie nicht genug Kapazitäten hätten. Rabe ist überzeugt, dass auf den Landwirtschaftsschulen und Hochschulen keine besonderen Lehrpläne wegen der Digitalisierung notwendig sind. Die dort in der Ausbildung stehende Generation sei mit digitalen Geräten aufgewachsen und könnten die so erworbenen Kenntnisse leicht auf die Arbeitswelt übertragen. Rabe als Vertreter eines Softwareunternehmens ist aber auch der Meinung: „Die Digitalisierung kann immer nur Hilfsmittel sein, die Entscheidung trifft der Mensch."

Arbeitsabläufe auf den Kopf gestellt

Arbeitsabläufe werden durch die digitale Entwicklung in Zukunft total umgekrempelt, sagt Bernardi voraus. Die menschliche Körperkraft habe schon in der heutigen Arbeitswelt an Bedeutung verloren, die Entwicklung werde beschleunigt weitergehen. Maschinen können immer mehr Daten aus der Umwelt erheben und sinnvoll zu Entscheidungen verarbeiten. "Wir müssen uns auf eine wachsende datengenerierte Arbeistweise einstellen", so Bernardi. Verlierer der Digitalisierung werden die Arbeitskräfte sein, die bisher Daten zusammengetragen haben, also die Low-Level-Bürokratie: Die Mittelschicht der Entscheidungspyramide werde durch Computer ersetzt.

Dagegen vertritt Dorfmeyer die Auffassung, dass entscheidungsfähige Fachleute auch in der digitalen Welt gebraucht werden. Die rein handwerkliche Arbeit kann hingegen von Maschinen übernommen werden. (BS) 
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