Report Saatgut Mais

Erdnussflips und Tortillachips aus Freimersheim

Annahmegosse: Hochbetrieb zur Ernte.
-- , Fotos: dg
Annahmegosse: Hochbetrieb zur Ernte.

Die Mühle liegt mitten im Maisanbaugebiet. Die Wege vom Erzeuger sind kurz. Dieser Vorteil wird von der Cornexo GmbH seit acht Jahren genutzt. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: In diesem Jahr werden über 50000 t Mais verarbeitet. Zum Start waren es 8000 t.

Die Kunden, vornehmlich für Maismehl und Maisgrieß, gehören zur Lebensmittelindustrie. Zwei Drittel bis drei Viertel der Erzeugung aus dem pfälzischen Freimersheim finden ihren Weg in die Snackindustrie: Erdnussflips, Cornflakes, Tortillachips. Die restlichen Produkte sind sehr speziell und reichen von Streugrieß für Frühstücksmuffins über Malzgrieß in der Bierherstellung bis hin zu Babynahrung oder glutenfreiem Gebäck. 90 Prozent der Ware verlassen lose oder im Bigbag den Hof. 10 Prozent werden in eigenen, glutenfreien Backmischungen verarbeitet.


Kennt die Ansprüche der Kunden: Patrick Bindewald.
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Kennt die Ansprüche der Kunden: Patrick Bindewald.

Glutenfreier Markt wächst

Die glutenfreie Ware aus Mais spielt eine große Rolle für die Entwicklung des jungen Unternehmens. „Die Nachfrage nach glutenfreien Produkten war ein Motor für unsere Entwicklung“, bestätigt Patrick Bindewald, geschäftsführender Gesellschafter des Produktionsstandortes. Maismehl enthält keinen Kleber oder Gluten wie Weizenmehl. Deshalb ist es von Verbrauchern gefragt, die zunehmend diesen Inhaltsstoff nicht vertragen. In Deutschland verarbeiten 70 Prozent der Kunden von Cornexo die Produkte der Maismühle, 20 Prozent verteilen sich auf europäische Staaten wie Frankreich, Skandinavien, Polen oder die Beneluxstaaten. Der Rest findet seinen Absatz in den USA, Asien und Afrika. In diese Länder lassen sich biologisch erzeugte, gentechnik- und glutenfreie Produkte verkaufen. Snacks mit diesen Qualitätsmerkmalen sind auch dort durchaus gefragt. „Je weiter wir fahren, desto spezialisierter wird die Ware. Sie ist nicht zuletzt aufgrund der Frachten auch teurer“, rechnet Bindewald vor. Neben Freimersheim gibt es bundesweit lediglich eine weitere reine Maismühle in Norddeutschland. Daneben verarbeiten kleinere Weizenmühlen Mais.

Rund 5 Prozent der Produktion an dem Standort in der Pfalz haben Bioqualität. Der Mais für diese Produktionsrichtung kommt aus Sachsen, Bayern und der Südpfalz. Die Abwicklung läuft nach den Vorgaben des Bioland-Verbandes. Auch in dieser Sparte kann sich die Entwicklung sehen lassen. Begonnen haben die Freimersheimer mit 400 bis 500 t Mais/Jahr. Jetzt verarbeiten sie rund 2000 t.


Garantierte Herkunft: Landwirte aus dem Umkreis liefern direkt an.
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Garantierte Herkunft: Landwirte aus dem Umkreis liefern direkt an.

Kurze Transportwege

Ebenfalls für gute Nachfrage sorgt die garantiert gentechnikfreie Ware. Angefangen vom Saatgut über die Transportwege bis zur Auslieferung der Ware ist das Unternehmen zertifiziert. Die kurzen Beschaffungswege ohne den Transport von möglicherweise gentechnikveränderten Produkten, wie beispielsweise Sojabohnen, erleichtern die Garantie. Und trotzdem wird jede Charge bei Ankunft auf dem Hof und nach der Verarbeitung noch einmal kontrolliert. Auch das Saatgut wird immer noch einmal auf Spuren von gentechnisch verändertem Material untersucht.

Besonderen Wert legt Patrick Bindewald auf die Produktion. „Die Qualität unserer Produkte wird von dem Landwirt auf dem Feld gemacht“, ist er überzeugt. Deshalb gibt es mit den landwirtschaftlichen Partnern auch einen speziellen Vertragsanbau. Damit wirbt er bei seinen Kunden. „Die wichtige Arbeit findet statt, bevor der Mais bei uns auf dem Hof ankommt“, ist der studierte Lebensmitteltechnologe überzeugt.

Eine Voraussetzung für den Anbau von Mais für Cornexo ist die Sortenwahl. „Wir kennen die Ansprüche unserer Kunden und geben die entsprechenden Sorten genau vor.“ Bis zu 20 verschiedene Sorten bieten sie den Landwirten an. Es handelt sich einerseits um Hartmaissorten, die einen möglichst hohen Anteil an Grieß haben. Zahnmais mit seinem höheren Anteil an Mehl im Maiskorn ist für andere Verarbeitungsrichtungen vorteilhaft. Die Landwirte können langfristige Verträge abschließen. Bis zu zwei Jahre im Voraus können sie sich festlegen, um in die Produktion für den Verarbeiter einzusteigen. Preise werden mit unterschiedlichen Modellen nach den Wünschen der Erzeuger fixiert. Für den Anbau der geforderten Sorten zahlt Cornexo Prämien.


 Pur: Mais ist einziger Rohstoff.
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Pur: Mais ist einziger Rohstoff.

Zusätzliche Prämien für Qualität

Auch die Vorbereitung der Flächen für den Maisanbau ist genau vorgegeben. So müssen die Landwirte eine wendende Bodenbearbeitung vor der Aussaat vorgenommen haben. Der Ausbreitung des Maiszünzlers soll vorgebeugt werden. „Wir haben einen hohen Einfluss auf die Erzeugung auf dem Feld“, räumt der 36-Jährige ein. Das Kerngebiet des Anbaus befindet sich auf der linken Rheinseite zwischen Karlsruhe und Mannheim. Nur vereinzelt wird auch einmal Ware aus Frankreich geliefert.

Neben den klassischen Qualitätsmerkmalen haben die Freimersheimer Zertifikate für Ware, die kosher und halal ist. Alle zwei Jahre kommen jüdische und muslimische Vertreter in den Betrieb und prüfen die Produktionsabläufe daraufhin, ob die Voraussetzungen für den Vertrieb der Ware vorhanden sind. Damit ist der Weg frei für Exporte in Länder, die diese Voraussetzungen verlangen.

Mühlenverbund
Die Cornexo GmbH gehört zur Bindewald & Gutting Verwaltungs GmbH. Alle anderen sieben Standorte des Verbundes sind reine Getreidemühlen. Rund 1,0 Mio. t Getreide werden in der Gruppe verarbeitet. 2014 hat die Gruppe die kompletten Mühlenstandorte der Wilh. Wehrhahn KG, Neuss, übernommen. In Freimersheim sind 30 Mitarbeiter beschäftigt. (dg)

Schwierige Jahre durchstehen

Selbst in schwierigen Jahren wie 2014, als der Befall mit Fusarium sehr hoch war, haben die Freimersheimer die angelieferte Ware von ihren Vertragslandwirten angenommen, getrocknet und die hoch belasteten Chargen als Futtermais weiter vermarktet. Die qualitativ nicht so gute Ware wurde mit nur kleinen Abschlägen honoriert. „Auch in schwierigen Zeiten gilt es, zu seinen Vertragspartnern zu stehen. Dann zeigt sich, was die Partnerschaft wert ist“, argumentiert der 36-Jährige. Auch die Kundschaft auf der Abnehmerseite wurde eingebunden und gemeinsam Kompromisse gefunden. „In solchen Jahren muss man auch einmal auf ein gutes Ergebnis verzichten“, argumentiert Bindewald.

Im Moment reicht der Mais aus dem Vertragsanbau für ein halbes Jahr. Der Rest wird zugekauft. Limitierender Faktor ist die eigene Lager- und Trocknerkapazität. Daran wird gearbeitet. Ein Neubau ist in Planung. „Ziel ist es, die gesamte Verarbeitungsmenge selber aufnehmen und lagern zu können“, so der Geschäftsführer. Auch soll die gesamte Verarbeitung auf 60000 t gesteigert werden. (dg)
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