Fühlen Sie sich für die neuen Anforderungen gut vorbereitet?, fragte az-Redakteur Dr. Jürgen Struck die Tierhalter. Hier kommen die Antworten von vier Experten:

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Jürgen Dierauff,
Schweinemast, Markt Nordheim, Bayern, erklärt: "Nein, noch nicht. Aber wir müssen und werden noch lernen. Ich bin in einer Erzeugergemeinschaft mit mehreren Betrieben und dort probieren wir jetzt auf einem Ferkelerzeugerbetrieb und auf meinem Hof zwei Optionen aus. Für uns hier in Süddeutschland kommen aufgrund der starken Orientierung am Metzgergeschäft nur zwei Varianten infrage. Die Ebermast ist hier kein Thema, denn die Metzger kaufen in dem Fall ausschließlich die weiblichen Tiere."

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Carsten Spieker,
Zuchtsauenhaltung Lienen, Nordrhein-Westfalen, ist ebenso kritisch. Er sagt: Nein! Er fühlt sich nicht gut vorbereitet. "Die drei Methoden Impfung, Betäubung, Ebermast haben alle ihre Vor- und Nachteile. Bisher sehe ich für keine der Methoden gesicherte Absatzwege oder die Akzeptanz beim Verbraucher. Bei den zur Verfügung stehenden Alternativen zur betäubungslosen Kastration sehe ich eine höhere Belastung für die Tiere als bei der herkömmlichen Methode.

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Gereon Albers,
Geschlossenes System mit Ferkelerzeugung und Mast, Lengerich, Emsland, weiß positives zu berichten: "Wir haben uns schon früh mit dem Thema Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration auseinandergesetzt. Mittlerweile wissen wir, was wir tun. Wir haben mit der Ebermast gute Erfahrungen gemacht und werden sie auf unserem Betrieb, soweit es die Rahmenbedingungen auch nach 2019 erlauben, gerne fortführen. Daneben lassen wir aktuell einen Teil der Eberferkel von einem Tierarzt betäuben und kastrieren.

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Heinrich Kruthaup,
Schweinemast, Damme, Niedersachsen, geht einen anderen Weg: "Solange ich meine Ferkel weiterhin aus Dänemark erhalte, bleibe ich dabei, auch Kastraten, die in Dänemark ohne Betäubung kastriert wurden, zu mästen. Sollte die Nachfrage nach diesen Tieren sinken – und somit auch der Preis, würde ich es in Betracht ziehen, deutsche Ferkel zu kaufen. Dies kommt aber nur infrage, wenn das vernünftig bezahlt wird.
Derzeit fehlt die Klarheit, welches Verfahren wirklich gewünscht ist. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) hat meiner Meinung nach einen großen Einfluss darauf, welche Methode zur Anwendung kommt. Sollte der LEH sich gegen eine Methode aussprechen, wird diese Möglichkeit entfallen. Der Preis wird den Markt regeln.
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