Erzeugerpreise in Bayern schwierig einzuschätzen


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In Bayern fällt es in diesen Tagen schwer, von Landwirten, Erfassungshändlern und Verarbeitern konkrete Aussagen über die Erzeugerpreise der kommenden Getreideernte zu erhalten. Es besteht nicht nur hinsichtlich der erwarteten Erntemengen, sondern vor allem auch der Qualitäten ein ungewöhnlich hohes Maß an Unsicherheit. Zudem spielt in diesem Zusammenhang die weitere Kursentwicklung des Euro zum US-Dollar eine wichtige Rolle. Davon hängt schließlich die Möglichkeit des überregionalen Geschäftes ab. Trotz dieser Unwägbarkeiten werden gegenwärtig erste Meinungen in Handelskreisen und Erzeugergemeinschaften diskutiert. Vor allem Wintergerste, deren Ernte früher als sonst üblich prognostiziert wird, ist in den Mittelpunkt der Gespräche gerückt. Zwar rechnet man in der Landwirtschaft mit geringeren Erträgen. Dennoch halten sich noch immer die potenziellen Käufer mit Anfragen zurück. "Für uns ist nicht allein entscheidend, wie viel Wintergerste tatsächlich eingebracht wird, sondern auch, wie viel Sommergerste eventuell nicht für Brauzwecke geeignet sein könnte", meint ein maßgeblicher süddeutscher Mischfutterhersteller. Im Handel spricht man von Erzeugerpreisen, die zwischen 80,- und 85,- Euro/t netto liegen dürften.

Beim Weizen wird mit einer schwächeren Durchschnittsernte gerechnet. Im vergangenen Jahr wurden in Bayern 3,05 Mio. t Winterweizen geerntet. Dabei werden in diesem Jahr etwas höhere Eiweißwerte für möglich erachtet. Für B-Weizen sind Erzeugererlöse von 90,- Euro/t netto, Valuta 1. Oktober, im Gespräch. A-Weizen könnte mit 100,- bis 105,- Euro/t mit den Landwirten abgerechnet werden. Zum E-Weizen werden kaum Auskünfte erteilt. "Der währungsbedingt sehr preiswerte US-Qualitätsweizen (DNS) in Italien und sogar in den Benelux-Staaten bereitet uns Kopfzerbrechen", begründet ein Händler seine Schweigsamkeit. Andere Handelshäuser nennen, allerdings unter großen Vorbehalten, für E-Weizen Erzeugerpreise von 112,- bis 116,- Euro/t, Valuta 1. Oktober, je nach Parität. Hier seien für besonders bevorzugte Sorten noch leichte Aufschläge möglich, meint ein Großhändler. Beim Brotroggen bleibt Bayern Zuschussgebiet. Angesichts der Verhältnisse in den Überschussregionen wird im Freistaat ein Erzeugerpreis von etwa 90,- Euro/t für realistisch gehalten.

Sommergerste wird es diesmal reichlich geben. Die Frage ist allerdings, wie viel davon den Ansprüchen von Mälzern und Brauern genügt. Für "freie" Braugerste halten Erfasser und Großhändler angesichts der Marktverhältnisse einen Erzeugerpreis von 110,- bis 115,- Euro/t, Valuta 1. Oktober, für angemessen. Die Vorvertragspreise lagen bei 130,- Euro/t. Allerdings haben etliche Handelsunternehmen zeitweise bereits im Frühjahr nur noch 120,- Euro/t geboten. (HH)

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