Ethanol aus Stroh erhält neuen Schub

In Straubing geht eine Demonstrationsanlage zur Herstellung von Ethanol aus Stroh an den Start. Die Betreiber setzen auf Hilfe vom Staat. Das Projekt treibt das Schweizer Spezialchemieunternehmen Clariant mit Fördermitteln der Bayerischen Staatsregierung und des Bundesforschungsministeriums (BMBF) voran. Zum Einsatz kommt die „sunliquid"-Technologie, die Clariant seit 2006 entwickelt und seit 2009 im Pilotmaßstab testet.
 
Zunächst sollen in der Demonstrationsanlage jährlich aus 4.500 t Weizenstroh bis zu 1.000 t Zellulose-Ethanol gewonnen werden. Das Investitionsvolumen beträgt nach Angaben des Schweizer Unternehmens rund 28 Mio. €.

Hariolf Kottmann, Vorstandsvorsitzender von Clariant, wünschte sich heute zur offiziellen Eröffnung einen „offenen Dialog mit allen Interessengruppen". Ein „Fehlstart" wie bei der Einführung von E10 müsse vermieden werden. Außerdem forderte er eine Verlängerung der Steuerbefreiung für Zellulose-Ethanol über das Jahr 2015 hinaus.
 
Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil äußerte sich in Straubing zuversichtlich zur Akzeptanz, weil Biokraftstoffe aus agrarischen Reststoffen wie Getreidestroh keine „Tank-oder-Teller"-Diskussion auslösen würden.

Die Straubinger Demonstrationsanlage war bereits im Sommer 2010 von der Südchemie AG angekündigt worden. Bevor das Projekt aber umgesetzt werden konnte, ist das Münchner Spezialchemieunternehmen im Februar 2011 von Clariant übernommen worden.

In Deutschland haben Studien ein Potenzial von rund 22 Mio. t Getreidestroh identifiziert, das nicht zur Bodenverbesserung gebraucht wird. Könnte daraus Ethanol gewonnen werden, ließe sich rund ein Viertel des aktuellen deutschen Benzinbedarfs abdecken, so die optimistische Prognose. (db)
stats